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Trägheit im Job: Wie Sie endlich wieder ins Handeln kommen

Trägheit im Job: Wie Sie endlich wieder ins Handeln kommen

Ragnhild Struss

Die meisten Menschen kennen Phasen, in denen sie im Beruf unmotiviert sind. Während man in einigen Fällen lediglich die Zähne zusammenbeißen sollte, kann andauernde Trägheit ein wichtiger Anstoß dafür sein, etwas zu verändern. Ragnhild Struss zeigt, wie Sie gezielt vorgehen. 

Der Wecker klingelt – und Sie drücken bereits zum zweiten Mal auf „Snooze“, weil Sie allein der Gedanke an Ihren Job vom Aufstehen abhält? Auf der Arbeit dehnt sich die Zeit gefühlt ins Unendliche, Sie stellen bei jedem Blick auf die Uhr resigniert fest, dass wieder erst zehn Minuten vergangen sind? Weil Sie keine Lust auf Ihre Aufgaben haben, prokrastinieren Sie oder ziehen deren Erledigung unnötig in die Länge? Puh. Woher kommt nur diese lähmende Trägheit? Treten Sie sich zumindest soweit selbst in den eigenen Allerwertesten, dass Sie die Gründe für Ihre Lustlosigkeit und Unproduktivität erforschen, um dann etwas an Ihrer Situation ändern zu können. Denn anhaltende Passivität kann sich auf vielfältige Weise negativ auswirken, Ihre berufliche und private Zufriedenheit gefährden, zu Problemen mit dem Arbeitgeber oder sogar in eine depressive Phase führen. Trägheit können Sie immer als Zeichen dafür werten, dass Sie nicht in Kongruenz mit Ihrer Persönlichkeit leben. Die folgenden Tipps helfen Ihnen, Ihre Gründe zu erforschen und rechtzeitig gegenzusteuern. 

Tipp 1: Der Antriebslosigkeit auf den Grund gehen

Der allererste Schritt sollte in einer ausführlichen Bestandsaufnahme bestehen, warum Sie sich in Bezug auf Ihre Arbeit so antriebslos fühlen. Am besten klopfen Sie nach und nach verschiedene Aspekte Ihres aktuellen Jobs daraufhin ab, wo es hakt:

  • Passen Ihre Aufgaben (noch) zu Ihrer Persönlichkeit? Im besten Falle stellt Ihre Arbeit Anforderungen an Sie, die Ihren Talenten, Stärken und Arbeitspräferenzen entsprechen. So sollte ein kreativer Mensch nicht vorrangig mit Datenpflege beauftragt sein, und ein sicherheitsorientierter Planer sollte nicht ständig auf unvorhergesehene Situationen reagieren müssen. Nehmen Sie also im ersten Schritt Ihren Charakter unter die Lupe und leiten Sie auf der Basis der Selbstbeschreibung Ihre individuell passenden Anforderungen an eine Beschäftigung ab. Besprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten, wie Sie (wieder) zu mehr Aufgaben kommen können, die Ihnen wirklich entsprechen. Sollte das bei Ihrem aktuellen Arbeitgeber nicht möglich sein, kann ein Jobwechsel die Lage oft deutlich verbessern.
     
  • Sind Sie im optimalen Maße gefordert? Wenn wir in unserem „sweet spot“ an Forderung arbeiten, also weder unter- noch überfordert sind, kann sich ein Gefühl von Flow einstellen, wir konzentrieren uns mühelos auf unsere Arbeit und empfinden sie als angenehm. Übersteigt eine Aufgabe jedoch in starkem Maße unsere Kapazitäten oder langweilt sie uns, weil sie viel zu einfach für uns ist, führt das zu Frustration, die sich in vielen Fällen in Trägheit und Prokrastination äußert. Im Job können Sie natürlich nicht immer eine perfekte Auslastung erwarten – besprechen Sie jedoch mit Ihrem Chef bzw. Ihrer Chefin, was bei andauernder deutlicher Unter- oder Überforderung verändert werden kann (siehe hierzu auch unseren Artikel zum Thema Boreout).
     
  • Stecken Ängste dahinter? Könnte das, was nach außen wie Trägheit wirkt, in Wirklichkeit auf bestimmten Befürchtungen und Unsicherheiten basieren? Stresst Sie beispielsweise die Vorstellung, vor einer großen Gruppe von Menschen präsentieren zu müssen – und schieben Sie deshalb vielleicht das Vorbereiten der Präsentation vor sich her? Oder sind Sie jemand, der gerne von Anfang an alles perfekt macht und ungewohntes Terrain meidet, weil dort womöglich zunächst auch Fehlschläge auf Sie zukommen würden? Ergründen Sie genau, welche Angst Sie in Wirklichkeit ausbremst. Machen Sie sich klar: Oft sind nur die ersten Minuten von einer neuen oder verhassten Tätigkeit schlimm – und wer es schafft anzufangen, dem fällt es ganz schnell schon deutlich leichter. 
     
  • Passt Ihr Job noch zu Ihren Interessen und Werten? Wir können uns sehr viel leichter für unsere Arbeit begeistern, wenn wir diese inhaltlich spannend finden und sie im Einklang mit uns wichtigen Wertvorstellungen steht (oder diesen zumindest nicht entgegengesetzt). Prüfen Sie, ob dies bei Ihnen der Fall ist oder ob sich vielleicht im Laufe der Zeit etwas an Ihrer Einstellung oder auch Ihren Aufgaben verändert hat, das Ihre gesunkene Leidenschaft für Ihre Arbeit erklären könnte. Wem beispielsweise an einem bestimmten Punkt Familie und Freizeit wichtiger sind, der wird nur noch schwer den Sinn in einem überstundenlastigen Workaholic-Lifystyle finden können. 

Tipp 2: Eine klare Entscheidung fällen

Wer nicht entscheidet, etwas zu verändern, der kommt nicht ins Handeln. Deshalb ist es extrem wichtig, dass Sie nach Ihrer ersten Bestandsaufnahme für sich selbst beschließen: „Ich werde jetzt aktiv!“ Denn gerade bei anhaltender Lethargie fällt es oft schwer, einen Neuanfang zu finden. Prokrastination und Passivität sind bereits das Problem – und ihnen wird dann mit noch mehr Vor-sich-Herschieben und noch mehr Inaktivität begegnet. So können sich die Dinge nicht zum Besseren wenden! Fällen Sie den verbindlichen Entschluss zur Veränderung, halten Sie ihn auf einem Post-It fest – zum Beispiel mit der Formulierung „Ich packe die Dinge an!“ – und platzieren Sie dieses gut sichtbar an einem Ort, wo es Ihnen regelmäßig ins Auge fällt. Die erste Analyse hat Ihnen sicherlich schon Anhaltspunkte darüber geliefert, WAS Sie verändern können – und die nächsten Tipps werden Sie ebenfalls zu möglichen Schritten inspirieren. Beginnen Sie mit deren Umsetzung am besten sofort.

Tipp 3: Die eigenen Motivatoren kennen und nutzen

Wir alle brauchen immer mal wieder „Belohnungsgefühle“, um uns langfristig für unsere Arbeit motivieren zu können. Damit sind nicht ausschließlich Belohnungen im wörtlichen Sinne – wie ein Lob oder eine Gehaltserhöhung – gemeint, sondern schlicht das positive Gefühl, etwas erfolgreich bewältigt zu haben. Deshalb ist es sinnvoll, bei einem großen Projekt Zwischenziele zu definieren, über deren Erreichen man sich freuen kann. Den meisten Menschen fällt es nämlich schwer, über einen langen Zeitraum hinweg nur in ein Projekt zu investieren, wenn sich erst eines Tages beim Erreichen des weit entfernten Ziels ein positives Gefühl einstellt. 

Darüber hinaus ist es individuell unterschiedlich, was jemanden motiviert. Spornen Sie zum Beispiel Lob und Feedback an und Sie erhalten die ganze Zeit keine Rückmeldung, dann erfragen Sie diese proaktiv bei Ihrem Vorgesetzten. Motiviert es Sie alleine zu arbeiten und stresst es Sie hingegen, wenn viel Trubel um Sie herum herrscht? Dann erklären Sie das Ihrem Chef und bitten Sie ihn, das Großraumbüro nach Möglichkeit ein paar Mal pro Woche gegen das Homeoffice eintauschen zu dürfen. Blühen Sie auf bei Herausforderung und schwierigen Aufgaben, fragen Sie, ob Sie neue Tasks übernehmen können oder fordern Sie sich selbst heraus, zum Beispiel indem Sie ausprobieren, wie viel schneller Sie eine bekannte Aufgabe fertigstellen können.

Was Sie ebenfalls bei der Planung Ihrer Aufgaben berücksichtigen sollten, ist Ihr natürlicher Biorhythmus, der Sie zu bestimmten Zeiten besonders leistungsfähig macht – und Ihnen in anderen Ihre Energie raubt. Stehen Sie beispielsweise gerne früh auf und fühlen sich dann rundum fit, legen Sie strategisch wichtige Aufgaben direkt in die Morgenstunden, um von Ihrer natürlich vorhandenen Leistungsfähigkeit zu profitieren. Haben Sie zum Beispiel nach dem Mittagessen meistens einen Leistungsknick, erledigen Sie in dieser Phase Routine-Aufgaben, die Sie nicht viel mentale Kapazität kosten. Auch solche kleinen Anpassungen können dabei helfen, Trägheit zu überwinden. 

Tipp 4: Bewegung macht aktiv

Physische Trägheit kann sich auch aufs Gemüt übertragen, daher sorgen Sie auf ganzer Linie für Beweglichkeit: Stretchen Sie sich zwischendurch und stehen Sie immer mal wieder im Laufe des Arbeitstages von Ihrem Platz auf, gehen Sie kurz in die Küche und unterhalten sich mit jemandem oder laufen Sie eine Runde um den Block. Öffnen Sie das Fenster, lassen Sie frische Luft hinein und ziehen Sie in Erwägung, auf einen ergonomischen Bürostuhl umzusteigen, auf dem man sich die ganze Zeit etwas hin- und herbewegt. All diese Maßnahmen helfen gegen Antriebslosigkeit, denn den ganzen Tag lang nur in der selben Position vor dem Rechner zu sitzen, fördert auch geistige Trägheit. Bewegung ist auch die Lösung gegen Prokrastination: Fangen Sie trotz innerer Widerstände, Vorbehalte oder mangelnder Energie einfach an mit der nächsten Aufgabe! Denn wir müssen nicht immer bereit sein, um anzufangen – vielmehr setzt Handeln in uns neue Kraft frei, die wir als Motivationsschub für den Rest der Strecke nutzen können.

Tipp 5: Auch in anderen Lebensbereichen wieder Leidenschaft finden

Manchmal liegt das Problem gar nicht im Job, sondern wird nur dort ausagiert. Denn oft werden wir auch im Job träge, wenn wir in anderen Lebensbereichen uninspiriert sind. Versuchen Sie also, Ihrem Leben ganzheitlich wieder mehr „Pepp“ zu verleihen. Die folgenden Fragen liefern Ihnen Hinweise darauf, wie Sie das erreichen können:

  • Was wollten Sie immer schon mal ausprobieren?
  • Welche Bedürfnisse haben Sie in Bezug auf Partnerschaft und wie können Sie deren Erfüllung näherkommen?
  • Wohin würden Sie gerne mal reisen?
  • Welches Hobby hat Ihnen früher Freude bereitet? Könnten Sie es wiederaufnehmen?
  • Was ist Ihr sehnlichster Wunsch?
  • Was würden Sie gerne tun, wenn Sie keine Angst hätten oder wenn Geld keine Rolle spielen würde?
  • Was stört Sie am meisten an Ihrer aktuellen Situation? Können Sie etwas daran ändern oder können Sie Ihre Einstellung dazu anpassen, sodass es Sie weniger belastet?
  • Welchen Freundschaften und Beziehungen könnten Sie mal wieder Aufmerksamkeit widmen oder sie wiederbeleben?
  • Was würden Sie gerne noch lernen? Können Sie einen entsprechenden Kurs belegen oder es sich autodidaktisch aneignen?

Wenn Sie sich in Ihren Lebensbereichen außerhalb des Jobs wieder lebendiger fühlen, kann sich das auch positiv auf Ihre Arbeitsmentalität auswirken. Fangen Sie am besten noch heute an, einige Ihrer Ideen und Erkenntnisse umzusetzen.

Fazit

So weit verbreitet Phasen der Trägheit im Job sind, so ernst sollten wir sie als dringliches Zeichen werten, etwas verändern zu müssen. Entweder am Arbeitsplatz, in der Art der Beschäftigung oder in privaten Lebensbereichen. Wir sollten dringend aktiv gegen die Lethargie vorgehen, um wieder mit mehr Freude arbeiten zu können. Zum Abschluss sei kurz darauf hingewiesen, dass sich hinter schwerwiegender Antriebslosigkeit leider auch eine Depression verbergen kann. Sollten Sie also merken, dass Sie alleine nicht aus Ihrer lähmenden Stimmung herauskommen, nehmen Sie unbedingt die Hilfe eines Arztes oder Psychotherapeuten in Anspruch! In weniger gravierenden Fällen können Sie jedoch durch Beherzigen der genannten Tipps sicherlich positive neue Impulse setzen, die Sie wieder gerne zur Arbeit gehen lassen.