#Persönlichkeitsentwicklung

Personal Development Month: das November-Projekt zur Persönlichkeitsentfaltung

Personal Development Month: das November-Projekt zur Persönlichkeitsentfaltung

Ragnhild Struss

Erneuter Lockdown. Die Situation ist herausfordernd – sozial, aber vor allem persönlich. Gleichzeitig können wir die Zeit des Social Distancing aber sinnvoll für unsere eigene Entwicklung nutzen. Mit unseren Projekten für die vier Novemberwochen unterstützen wir Sie dabei, das Beste aus diesem Monat – und aus sich selbst! – zu machen.

Die meisten von uns haben im hektischen Alltag einen vollen Terminkalender: Arbeit, Familie, Freunde treffen, zum Sport oder ins Kino, essen gehen und Ausflüge machen. Während es wunderbar ist, ein aktives Leben zu führen, vergessen wir oft, dass Zeiten der Einkehr, des Rückzugs und der Entschleunigung ebenso wertvoll für unser inneres Wachstum und unsere individuelle (Neu-)Ausrichtung sind. Jetzt stehen uns ein paar „zurückgezogene“ Wochen bevor – wir möchten Sie dazu ermutigen, diese als Gelegenheit für einen persönlichen Reset zu betrachten. Eine Art Chance darin zu sehen, sich endlich mal um all die inneren Themen und die Dinge zuhause zu kümmern, denen Sie sich zwar „immer widmen wollten“, aber die dann doch liegengeblieben sind. Lassen Sie sich von unseren Tipps und Übungen zur Persönlichkeitsentfaltung inspirieren. Und denken Sie daran: Irgendwann wird wieder so viel los sein, dass keine Zeit für Selbstreflexion bleibt. Nutzen Sie also die Gelegenheit, dass auch Ihr Umfeld in den nächsten Wochen weniger Anforderungen an Sie stellen wird. 

Woche 1: Auf Entdeckungsreise zum inneren Kern

Die erste Woche steht ganz im Zeichen der Introspektion: Lernen Sie sich neu kennen. Denn auch wenn wir zu wissen meinen, wer wir sind, ist unser Wesen nicht statisch. Wir machen Erfahrungen, lernen und entwickeln uns weiter. Unsere Wertvorstellungen können sich im Laufe der Zeit verschieben. Und oft schleppen wir alte Glaubenssätze mit uns herum, die schon längst nicht mehr zu unserem heutigen Leben passen. Zeit aufzuräumen und eine Bestandsaufnahme davon zu machen, wie Ihre innere Landschaft genau jetzt aussieht! 

Für die Übungen dieser Woche benötigen Sie ausschließlich Papier (zum Beispiel ein Notizbuch) und etwas zu schreiben. Sie können natürlich auch Ihre Antworten am Computer festhalten oder lediglich im Geiste reflektieren – wir empfehlen jedoch Stift und Blatt, da Handgeschriebenes uns erwiesenermaßen zu verstärkter Auseinandersetzung mit einem Thema zwingt und so festgehaltene Inhalte uns auch besser im Gedächtnis bleiben. Reflektieren Sie nach und nach die folgenden drei Themen, indem Sie die dazugehörigen Fragen beantworten. Kommen Sie ruhig immer mal wieder zu Ihren Notizen zurück. Sie werden erstaunt sein, wie viel Ihr Unbewusstes zwischen den Schreib-Sessions arbeitet und welch wichtige Informationen es Ihnen Schritt für Schritt bzw. Schicht um Schicht zur Verfügung stellen wird. Mit Geduld und Disziplin (übrigens beides Formen von Selbstliebe) werden Sie Ihrem Wesenkern auf den Grund gehen. 

Wer bin ich und worin liegt mein Potenzial?

  • Was mag ich gerne an meiner Persönlichkeit? Worauf bin ich stolz an mir? Listen Sie 50 Eigenschaften auf.
  • Was fällt mir leichter als anderen? Wofür werde ich immer wieder gelobt? Denken Sie hier beispielsweise auch an positives Feedback aus Mitarbeitergesprächen. 
  • Mit welchen Adjektiven würden meine besten Freunde mich beschreiben? Wenn Sie ganz mutig sind, erzählen Sie von dieser Übung und fragen Sie direkt – mündlich oder sogar schriftlich.
  • Wo liegen meine Herausforderungen? Worüber stolpere ich immer mal wieder in / mit meinem Charakter Wie kann ich daran arbeiten?
  • Was macht mich glücklich? Womit verbringe ich am liebsten meine Zeit?

Wo stehe ich gerade im Leben?

  • Welche Lebensbereiche sind mir im Moment wie wichtig? Denken Sie bspw. an den beruflichen Bereich, die Freizeit, Ihre persönlichen Beziehungen, Ihre Gesundheit etc.
  • In welchen Lebensbereichen bin ich (relativ) erfüllt?
  • In welchen bin ich nicht erfüllt? Hier sollten Sie vor allem ein Augenmerk auf die Bereiche legen, die Sie für wichtig erachten. 
  • Was genau fehlt mir in diesen bzw. wie könnte ich dort mehr Zufriedenheit finden? 
  • Was will ich also konkret ändern?

Was leitet und motiviert mich?

  • Welche Werte sind mir am wichtigsten für mein Leben? 
  • Wie lebe ich diese Werte bereits? Wie könnte ich sie noch mehr leben?
  • Finden sich diese Werte in meinem Umfeld wieder? Wenn nicht, welche Änderungen muss ich vornehmen, um ein wertekongruentes (Voraussetzung für Zufriedenheit) Leben zu leben?
  • Nach welchen Glaubenssätzen handle ich? Entsprechen Sie wirklich noch dem Menschen, der ich heute bin? 
  • Welche Bedingungen sorgen dafür, dass ich motiviert bin und gerne Leistung erbringe?
  • Welche Bedingungen demotivieren mich hingegen total?
  • Wie kann ich mein (Arbeits-)Umfeld mehr nach meinen Motivatoren gestalten?

​​Woche 2: Mit Selfcare Körper und Seele in Balance bringen 

In der ersten Woche haben Sie sich noch einmal klargemacht, wer Sie sind, was Sie können und wo Sie gerade stehen. Jetzt legen wir den Fokus darauf, wie Sie liebevoll und fördernd mit sich selbst umgehen können. Denn auch Selbstfürsorge ist etwas Wichtiges, was im Alltag häufig zu kurz kommt. Die folgenden drei Übungen geben Ihnen wertvolle Selfcare-Impulse, die gerade in Krisenphasen Ihr Wohlbefinden enorm steigern können.

Tägliches Dankbarkeits- oder Reflexions-Journaling

Besorgen Sie sich ein schönes Notizbuch und starten Sie eine regelmäßige Tagebuchpraxis. Um positive Effekte dieser neuen Gewohnheit zu spüren, genügen schon wenige Minuten an Tag, die Sie dem Niederschreiben widmen. Legen Sie Ihren Fokus am besten auf das Thema Dankbarkeit, denn dadurch tun Sie Ihrer psychischen Gesundheit einen riesigen Gefallen (mehr zu den Auswirkungen von Dankbarkeit in diesem Artikel). Schreiben Sie dazu einfach jeden Abend drei Dinge auf, für die Sie am Tag dankbar waren – von einem netten Kompliment über Ihre Freundschaft zu einem lieben Menschen bis hin zu einem leckeren Abendessen ist alles möglich. 

Wenn Sie möchten, können Sie Ihr Journal auch dazu nutzen, um Erlebnisse des Tages zu verarbeiten. Schreiben Sie auf, wie Sie sich in welchen Situationen gefühlt haben. Das hilft Ihnen enorm bei der Verarbeitung und ordnet Ihre Gedanken und Emotionen. 

Die Seele füttern

Es ist essenziell für Ihr Wohlbefinden, dass Sie Aktivitäten und Dinge, die Ihr Herz mit Freude füllen, nicht nur kennen, sondern sich auch regelmäßig Zeit dafür nehmen. Die folgenden Fragen helfen Ihnen beim Finden Ihrer „Energiespender“ – schreiben Sie sie auf und räumen Sie ihnen jeden Tag mindestens eine halbe Stunde Zeit ein. 

  • Bei welcher Tätigkeit vergesse ich Zeit und Raum, versinke total darin? (Flow)
  • Was habe ich früher einmal gerne gemacht? Könnte ich es wieder aufleben lassen?
  • Was wollte ich immer schon mal ausprobieren?
  • Welche Beschäftigung ist nicht nur angenehm (z. B. Serien gucken), sondern lädt mich regelrecht mit Energie auf und bringt mich zum Strahlen (z. B. etwas erschaffen)?
  • Was weckt bei mir immer starkes Interesse?

Jetzt ist auch die richtige Zeit für geistige Inspiration: Sie können endlich mal die Bücher lesen, die Podcasts hören und die TED Talks ansehen, die schon länger auf Ihrer Liste stehen. Ein wunderbares Buch zur Persönlichkeitsentwicklung, das wir jedem ans Herz legen können, ist beispielsweise „Das Kind in dir muss Heimat finden“ von Stefanie Stahl. Wer weniger in die Vergangenheit als mehr handlungsorientiert in die Zukunft schauen möchte, der hat vielleicht Interesse an „The Motivation Manifesto“ von Brendon Burchard. Außerdem freuen wir uns, wenn Sie in unseren neuen Podcast „Von innen nach außen – Struss & Claussen“ reinhören. Wir befassen uns dort mit einer Vielzahl an psychologischen Themen und geben wertvolle Tipps für Job und Privatleben. 

Dem Körper Beachtung schenken

Bei aller geistigen Arbeit dürfen wir das Zuhause nicht vergessen, in dem wir wohnen: unseren Körper! Versuchen Sie, jeden Tag auch Ihrem physischen Selbst Liebe und Aufmerksamkeit zu schenken – mit den folgenden Ideen, die Sie gerne nach Belieben ergänzen können:

  • Sich bewegen (joggen oder spazieren gehen, Dehnübungen machen, Yoga mit YouTube-Videos …)
  • So oft wie möglich frisch und gesund kochen
  • Sich eine (Selbst-)Massage gönnen
  • Ein heißes Bad oder eine belebende Wechseldusche nehmen
  • Nicht zu lange sitzen (auch während des Arbeitstages immer mal zwischendurch aufstehen und sich bewegen)
  • Sich (für sich selbst) schön machen
  • Den eigenen Körper auch mit Makeln annehmen und ihm dankbar sein, dass wir in ihm leben dürfen

Woche 3: Soziale Beziehungen pflegen

Gerade in Zeiten, in denen wir uns nicht persönlich treffen können, sollten wir unseren Beziehungen Aufmerksamkeit schenken und sie kultivieren. Denn ein stabiles soziales Netzwerk – ob groß oder klein – ist ein wichtiges Fundament für unser Wohlbefinden. Die Krise lädt dazu ein, zusammenzuhalten und unser Verhältnis zu den Menschen in unserem Leben zu reflektieren: Welche Menschen liegen mir wirklich am Herzen? Wer sind echte Freunde, wer ist eher in der Kategorie „gute Bekannte“ einzuordnen? Pflege ich die bedeutungsvollsten Beziehungen in meinem Leben angemessen?

Vor allem: in Kontakt bleiben

Was zu Beginn der Pandemie galt, ist nach wie vor aktuell: Lassen Sie die Verbindung zu Ihren Lieben nicht abreißen und nehmen Sie mal wieder Kontakt zu den Leuten auf, mit denen schon länger kein Austausch stattgefunden hat, die Ihnen aber wichtig sind. Paradoxerweise ist der Lockdown eine Gelegenheit, soziale Beziehungen sehr bewusst zu gestalten. Bereits eine kurze WhatsApp-Nachricht zeigt anderen, dass Sie an sie denken. Ein Anruf oder Video-Call lassen natürlich noch mehr Austausch zu. Treffen Sie sich regelmäßig mit Ihren Freunden online zum gemeinsamen Spielen, synchron kochen und essen oder einfach nur plaudern. Gehen Sie mit einzelnen Freunden (unter Wahrung des Sicherheitsabstands) draußen spazieren. Schicken Sie Ihren Lieben mal wieder einen Brief, eine Postkarte oder ein kleines Päckchen. Fragen Sie Personen der Risikogruppen in ihrem Wohnhaus, ob Sie ihnen etwas vom Supermarkt mitbringen können. Es gibt unzählige Wege, auch während des Lockdowns und in der ungemütlichen Jahreszeit miteinander in Verbindung zu bleiben.

Konflikte klären

Sie haben schon länger mit jemandem einen ungeklärten Konflikt? Dann ist jetzt die richtige Zeit ihn zu lösen. Teilen Sie der anderen Person – telefonisch oder schriftlich – mit einem konstruktiven Feedback mit, wie Sie die Situation wahrnehmen. Sprechen Sie dabei in Ich-Botschaften und gehen Sie immer davon aus, dass der andere sich nicht mit böser Absicht auf eine Weise verhält, die Sie ärgert oder verletzt. Unterstreichen Sie außerdem Ihr Interesse an der Sichtweise Ihres Gegenübers und Ihren Wunsch, das Thema zu klären. Beispiel: „Ich hatte bei unseren letzten Treffen das Gefühl, du warst von mir genervt. Liege ich mit dieser Einschätzung richtig, oder habe ich das falsch verstanden? Ich würde mich freuen, wenn wir offen darüber reden und das Ganze klären können. Die Freundschaft zu dir ist mir nämlich sehr wichtig.“ Weitere Tipps zum richtigen Feedback-Geben finden Sie in diesem Artikel.

Woche 4: Positive Vision für die Zukunft entwickeln

Sie haben in den letzten drei Wochen sicher viele Erkenntnisse über sich selbst, Ihre Beziehungen sowie die „Baustellen“ in Ihrem Leben gewonnen. Lassen Sie nun all das in einen wunderbaren Plan für Ihre Zukunft fließen. Vieles können Sie sicher sofort umsetzen – und bestimmt stehen in ein paar Monaten auch die äußeren Bedingungen wieder günstiger für mutige Vorhaben. Beantworten Sie die folgenden Fragen schriftlich, um Ideen für Ihre große Vision zu sammeln:

  • Was würde ich tun, wenn Geld, Angst oder die Meinung anderer Leute keine Rolle spielen würden? 
  • Wie soll mein Leben aussehen? Welche Aspekte möchte ich unbedingt erreichen?
  • Wovon träume ich schon lange? Was käme der Erfüllung dieses Traums am nächsten?
  • Welcher Mensch möchte ich sein? Was möchte ich über mich sagen können, was sollen andere über mich sagen?
  • Welche Maßnahmen kann ich täglich umsetzen, um der Erfüllung meiner Ziele näherzukommen?

Um Ihre Vision sichtbar zu machen und sich Tag für Tag daran zu erinnern, worauf Sie hinarbeiten möchten, erstellen Sie sich ein Vision Board, was alle Ihre Ziele und Träume repräsentiert. Sie können dafür beispielsweise ein Plakat nutzen, auf das Sie schreiben, zeichnen, ausgeschnittene Fotos oder Bilder aus Zeitschriften aufkleben etc. Wer es lieber digital mag, kann dafür auch ein Pinterest-Board o. ä. anlegen. Die Hauptsache ist, dass Sie Ihre Vision in irgendeiner Form greifbar machen, die Sie immer wieder motiviert, auf Ihrem Weg dorthin dranzubleiben. 

Sollten Sie sich eher schriftlich kreativ fühlen, schreiben Sie auf ein DIN A4 Blatt „2035 – ich bin so glücklich und dankbar, jetzt, da ich ...“ und dann formulieren Sie all die Dinge, die Sie bis dahin erreicht haben. Wichtig: Positiv und in der Gegenwart. Beispiel: „... jetzt, da ich als freie Grafikerin arbeite und damit mehr als 4.000 € brutto pro Monat verdiene ...“


Wir hoffen, Sie kommen gut durch diese Zeit und gehen im besten Falle erkenntnisreicher, inspirierter und stärker aus ihr hervor. Berichten Sie uns gerne, wie es Ihnen mit unseren Tipps ergangen ist – am besten per Mail an kontakt@strussundclaussen.de. Alles Gute für Sie!