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#Persönlichkeitsentwicklung

Wenn Antworten nachhallen dürfen

Wenn Antworten nachhallen dürfen

Zwischen den Jahren: Wenn Antworten nachhallen dürfen

 

Falls Du unsere Jahresreview noch nicht bearbeitet hast, ermutigen wir dich vor dem Lesen des Textes dazu. Du findest ihn hier.

 

Du hast dir eine Stunde genommen, um das Jahr zu reflektieren. Das wirkt auf den ersten Blick wie ein psychologisches Tool oder Selbstoptimierung. Und doch berührt es ziemlich schnell eine andere Ebene. Denn Reflexion ist mehr als Rückschau. Reflexion ist die Entscheidung, dem Erlebten Bedeutung zu geben. Du schaust darauf, was passiert ist, und darauf, was es mit dir gemacht hat. Du ordnest ein, würdigst, verabschiedest, richtest dich aus. Hier trifft sich Reflexion mit dem, was wir unter Spiritualität verstehen.

Spiritualität muss nicht nach Räucherstäbchen riechen. Im Kern ist sie eine Haltung, die anerkennt, dass dein Leben nicht nur aus äußeren Fakten besteht, sondern aus inneren Kräften: Werten, Sinn, Verbundenheit, inneren Bildern, einem Gefühl von Richtung. Spiritualität beginnt dort, wo du dich fragst, wofür du das alles tust, was dich trägt, was dich ruft, was du nicht mehr mittragen willst. Reflexion ist die Praxis, die dieser Haltung Form gibt. Sie macht das Unsichtbare greifbar, das Unerreichbare erreichbar.

Im Jahr 1953 bestieg die ersten Menschen, Edmund Hillary und Tenzing Norgay, den Mount Everest. Einen 8848 Meter hohen Berg. So weit oben, wie Flugzeuge fliegen, kletterten die beiden hinauf. Alle Versuche vor ihnen scheiterten, oder wurden mit dem Leben bezahlt. Viele Versuche nach ihnen gelangen, doch wer sich für diese Herausforderung entscheidet, konfrontiert sich gnadenlos mit widrigsten Umständen. Eisigen Temperaturen, dünner Luft, schwindender Kraft, Lebensgefahr. Nur um diesen einen Berg zu erklimmen. Zwischen Mut und Hybris, zwischen dem Glauben an sich selbst und dem Glauben an ein Ziel kann dieses Unterfangen gelingen. Nicht selten sind Menschen grundlegend verändert, wenn sie wiederkommen. Sie haben eine Konfrontation mit etwas Größerem erfahren: mit Naturgewalt, mit der eigenen Endlichkeit, mit der Frage, was wirklich zählt, wenn es eng wird.

Der Everest dient dabei als ein überdimensionaler Spiegel. Er fragt nicht, wie ambitioniert du bist, sondern macht dir deutlich, ob du noch kannst. Nicht, wie viel du willst, sondern wie gut du dich führst, wenn dir die Luft dünn wird. Er zwingt zur schmerzhaften Unterscheidung zwischen dem, was man beweisen möchte, und dem, wer man wirklich ist. Und genau das ist ein spirituelles Thema im Sinne von Werten und Sinn, im Sinne von Selbsterkenntnis: Wer bist du wirklich und welche Werte tragen dich wie weit? Für welchen Sinn lohnt es sich für dich, zu streben und wie ehrlich bist du zu dir, wenn ein Weg zu seinem Ende gekommen ist?

Natürlich ist ein Jahreswechsel kein Everest. Und du musst auch keinen Berg besteigen, um dich besser zu verstehen. Aber zwischen den Jahren entsteht oft eine ähnliche Konstellation wie am Berg: Das Tempo sinkt, das Außen wird leiser, und plötzlich wird deutlicher, was in dir arbeitet. Du siehst, was dich genährt und was dich ausgehöhlt hat. Du erkennst, welche Kämpfe du geführt hast, welche du loslassen kannst, und welche Gipfel dich eigentlich schon lange rufen. Das ist eine Form von Ausrichtung. Eine Art inneres Basecamp, in dem du prüfst: Mit welcher Haltung gehe ich weiter? Welche Pfade sollen möchte ich 2026 bahnen, wenn es wieder schneller wird? Und was bedeutet „Verbundenheit“, wenn du nicht nur funktionieren, sondern dich selbst mitnehmen willst? Für welches Ziel bist du bereit, über deine Grenzen zu gehen?

Wenn du die folgenden Fragen beantwortet hast, hast du genau das getan. Du hast dir einen Moment geschaffen, in dem nicht nur das Jahr endet, sondern in dem du dich innerlich neu verankerst. Nicht in einem perfekten Plan, sondern in Sinn, in Klarheit und in der Verbindung zu etwas, das größer ist als der nächste Termin. Hier findest du heraus, was hinter den unterschiedlichen Reflexionsfeldern steckt.
 

Love – Was du geliebt hast, ist dein Kompass.

Wenn du notiert hast, was du 2025 geliebt hast, dann hast du im Grunde deinen inneren echten Kompass sichtbar gemacht: Was bringt dich zum Strahlen? Wobei wirst du weich? Was hat dich inspiriert?

Viele Menschen behandeln Freude wie ein hübsches Nebenprodukt. Nett, wenn sie auftaucht. Aber Freude ist selten zufällig. Sie zeigt dir, wo du in Resonanz bist. Wo du andere Menschen erreichst. Und ja: Manchmal sind es nicht die großen Ereignisse. Manchmal ist es das Banale, das entlarvend ehrlich ist. Ein Abend ohne Handy. Ein Gespräch, nach dem du dich nicht kleiner fühlst. Ein Projekt, bei dem du denkst: Ah. So fühlt sich Stimmigkeit an. Eine Person, bei der du nicht „besser“ sein musst.

Wenn du das benennen kannst, hast du etwas getan, das vielen schwerfällt: Du hast dich selbst mitbekommen.
 

Learned – Lernen kann auch Entzauberung sein.

„Was hast du gelernt?“ klingt nach Karriere-Reflexion. In Wahrheit ist Lernen aber viel intimer. Manchmal ist es: Ich kann nicht alles gleichzeitig. Manchmal ist es: Ich habe mir zu lange eingeredet, es wäre nicht so schlimm. Manchmal ist es: Ich bin stärker, als ich dachte. Oder: Ich muss nicht hart werden, um klar zu sein.

2025 hat dich wahrscheinlich irgendwo enttäuscht. Irgendwo überfordert. Irgendwo überrascht. Und genau dort liegt häufig das Lernen, das nicht hübsch ist, aber tragfähig, das dich wahrer macht. Und vielleicht hast du beim Schreiben auch gemerkt: Manche Lektionen wiederholen sich so lange, bis man sie wirklich lebt. Als würdest du denselben Satz zum zehnten Mal lesen und erst beim elften Mal steht er da und trifft dich wirklich.

Wenn du an dieser Stelle etwas notiert hast, das sich nach Wahrheit anfühlt: Nimm es ernst, ohne dich zu bewerten. Dein Jahr war Lehrerin genug. Du musst dich nicht zusätzlich bestrafen, damit es „zählt“.
 

Let Go – Loslassen ist Selbstfürsorge.

Loslassen wird oft verkauft wie eine ästhetische Entscheidung: „Ich lasse los“ – zack – neues Ich ganz im Sinne des Clean Girl Trends. Aber die meisten Dinge, die wir festhalten, halten wir nicht fest, weil wir sie lieben, sondern weil sie uns schützen.

Der alte Glaubenssatz. Die Kontrolle. Das Überanpassen. Das „Ich muss“. Beziehungen oder Dynamiken, die mehr kosten als sie nähren. Gewohnheiten, die kurzfristig beruhigen und langfristig klein machen. All das hatte irgendwann eine Funktion. Es hat dir Sicherheit gegeben, Zugehörigkeit versprochen oder dich davor bewahrt, etwas zu fühlen, das unangenehm ist.

Loslassen heißt nicht: „Das war dumm.“ Loslassen heißt: „Danke – ich brauche das nicht mehr.“

Und wenn du beim Schreiben gemerkt hast, dass ein Teil in dir sofort argumentiert („Aber so schlimm ist es nicht“, „Andere haben es schlimmer“, „Ich kann das jetzt nicht ändern“), dann ist das ein Zeichen, dass da etwas in dir Angst hat, weil es Kontrolle verliert. Spiritualität (ganz unaufgeregt) bedeutet nicht, diese Angst zu überspringen. Sie bedeutet, sie zu sehen und trotzdem bzw. mit ihr eine kleine Entscheidung für dich zu treffen.

Vielleicht ist Loslassen dieses Jahr kein dramatischer Schnitt. Vielleicht ist es eine Reihe kleiner Grenzen. Ein „Nein“ mehr. Ein „So nicht“ früher. Ein Gespräch, das du nicht länger auf Februar verschiebst. Ein bisschen weniger Angepasstheit.
 

Level Up – Weiterentwicklung ist kein Upgrade, sondern Integration.

„Level Up“ klingt nach höher, schneller, weiter. Wie heißt es so schön? „New Year, New Me.“ Aber bei echter Entwicklung geht es mehr um eine Rückkehr zu dir selbst (mit mehr Klarheit) als eine neue Persönlichkeit. Das Erkennen deiner Stärken und das Ausbauen selbiger. Vielleicht hast du etwas an dir entdeckt, das dich überrascht hat. Vielleicht hast du gemerkt, dass du in Krisen ruhiger bist als gedacht. Vielleicht bist du sichtbarer geworden, obwohl du dich innerlich noch nicht „bereit“ gefühlt hast. Vielleicht hast du verstanden, dass Empathie ohne Grenzen eine Form von Selbstaufgabe ist. Oder dass Klarheit nicht unfreundlich sein muss. Das sind keine Skills im Lebenslauf. Das sind innere Bewegungen. Und sie passieren selten durch „mehr machen“, sondern durch regelmäßiges Erinnern: So darf ich sein und dort will ich hin.

Wenn du für 2026 einen Wachstumsbereich gewählt hast, dann ist die wichtigste Frage „Welche kleine Handlung passt zu der Person, die ich werden will?“ Wachstum entsteht weniger aus großen Plänen und mehr aus Wiederholung, die freundlich ist.
 

Leap – Mut ist, trotz und mit Zittern zu gehen.

Der große Sprung ist nicht der Moment, in dem du keine Angst mehr hast. Der große Sprung ist der Moment, in dem du merkst: Ich habe Angst und ich gehe trotzdem in die Richtung, von der ich mich angezogen fühle, weil das, was ich erreichen will, größer ist als meine Angst. Vielleicht spürst du bei deinem „Leap“ genau diese Mischung aus Nervosität und Begeisterung. Das ist oft der beste Indikator dafür, dass es lebendig ist. Dass du lebendig bist!

Eine realistische Risikoeinschätzung ist dabei die Form von Erwachsensein, die Mut überhaupt erst möglich macht. Du musst nicht blind springen. Du darfst mit offenen Augen springen: mit einem Plan, einer ersten Version, einem Gesprächspartner, einem Sicherheitsnetz.

Und dann kommt die vielleicht entfesselndste Frage von allen: Was wäre, wenn die Angst nicht das Zeichen ist, dass du es lassen solltest, sondern das Zeichen, dass es dir wichtig ist?
 

Bedachtes Routenplanen statt unüberlegten Gipfelstürmens

Wie gesagt: Du musst keinen Mount Everest besteigen. Aber was Menschen, die dies getan haben, beweisen, ist, dass der Glaube an die eigenen Fähigkeiten und die Verbundenheit mit einem größeren Ziel unglaubliche Kräfte in uns freilegen. Sei mutig. Traue dich in 2026 deine Träume zu denken, sie in Pläne zu verwandeln und in die Richtung zu gehen, in der sie auf dich warten. Wenn sie aus deinen Werten, deinem Sinn, einer inneren Überzeugung heraus entstanden sind, dann wirst du jede Herausforderung, die mit ihnen verbunden ist, mit Sicherheit, Klarheit und Verbundenheit meistern.

 

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