#Persönlichkeitsentwicklung

Nur Mut! So gelingt Ihnen beherztes Handeln im Alltag

Zwei Männer beim Tandem-Fallschirmsprung

Nur Mut! So gelingt Ihnen beherztes Handeln im Alltag

Ragnhild Struss

Wir alle empfinden Angst. Mutige Menschen schaffen es jedoch, sich davon nicht in ihrem Handeln einschränken zu lassen. Auf welche Weisen wir mutig sein und wie auch Sie mehr Mut entwickeln können, schildert Ragnhild Struss.

Mut – eine vielbewunderte Charaktereigenschaft von Menschen, die sich mehr (zu)trauen als andere. Wir wünschen uns gegenseitig „Nur Mut!“, wenn wir aufgrund einer herausfordernden oder beängstigenden Aufgabe zaudern. In „Mutproben“ wollen schon Kinder unter Beweis stellen, dass sie ihre Ängste überwinden können, wenn es darauf ankommt. Und mit Begriffen wie „todesmutig“ betiteln wir besonders kühne Taten unserer Mitmenschen, zu denen sich die wenigsten hinreißen lassen würden. Was genau bedeutet eigentlich Mut? Auf welche Weisen können Menschen mutig sein? Und wie können Sie lernen, selbst mit mehr Mut durchs Leben zu gehen? 

Per Definition bedeutet Mut – den man auch als Wagemut oder Beherztheit bezeichnen kann –, dass man sich traut etwas zu wagen, zum Beispiel sich in eine potentiell gefährliche Situation zu begeben. Interessanterweise kann Mut dabei sowohl im Tun von etwas bestehen, beispielsweise dem Springen vom 10-Meter-Turm im Schwimmbad, als auch im bewussten Nichttun bzw. Verweigerung wie bspw. bei einer Sachbeschädigung unter Gruppenzwang. Mut wird im Alltag häufig als Gegenstück zu Angst gebraucht – dabei schließen sich beide nicht aus. Mutige Menschen kennen durchaus Ängste. Sie schaffen es nur, diese zu überwinden, oft weil sie mehr Vertrauen in sich und ihre Fähigkeiten haben. Im Schnitt sind sie zudem etwas extravertierter als weniger mutige Menschen. 

Drei Arten von Mut

Es gibt drei Bereiche, in denen Menschen sich mutig verhalten können. Man kann in allen drei oder in nur einzelnen von ihnen Mut beweisen, während man in anderen Hinsichten eher zu Ängstlichkeit neigt. Die drei Arten von Mut sind:

  • Physischer Mut
    Diese Mutform bedeutet, dass wir eine mögliche Schädigung von Körper und Leben in Kauf nehmen. Es ist der Mut, den wir beim Sport oder auf Urlaubsabenteuern brauchen, wenn wir uns an Downhill-Mountainbiken, Tauchen oder riskante Expeditionen heranwagen wollen. 
     
  • Sozialer Mut 
    Auch moralischer Mut genannt, handelt es sich hier um das Eingehen der Gefahr einer sozialen Ausgrenzung. Zugehörigkeit zur Gruppe ist für Menschen überlebenswichtig und wir haben alle in unserem tiefsten Inneren Angst vor Ablehnung und Ausgrenzung. Deshalb kann es Überwindung kosten, fremde Menschen anzusprechen, Unschuldige gegenüber einer Autorität zu verteidigen oder sich bei Ungerechtigkeiten zu wehren.
     
  • Psychologischer Mut
    Diese Mutform kann auch als existenzieller Mut bezeichnet werden. Man braucht sie, wenn man eine Destabilisierung der eigenen Persönlichkeit riskieren möchte: Damit ist zum Beispiel gemeint, der Wahrheit über sich selbst ins Auge zu blicken – indem wir uns den eigenen Schattenseiten oder verdrängten Anteilen stellen oder indem wir uns selbst eingestehen, dass unser Idealbild von uns selbst und unser echtes Ich auseinanderklaffen.

6 Tipps, wie Sie mutiger werden

Niemand kann Situationen, in denen Mut gefragt ist, langfristig und nachhaltig vermeiden. Um erfolgreich und zufrieden im Leben zu sein, ist die Bereitschaft Risiken einzugehen eine wichtige Grundvoraussetzung. Denn Sie verpassen Chancen auf persönliche, berufliche oder soziale Weiterentwicklung, wenn Sie sich von Ängsten beherrschen lassen – und sich im Nachhinein ärgern, sich nicht gegen einen Angriff gewehrt oder eine herausfordernde Gelegenheit genutzt zu haben. Lassen Sie sich von den folgenden sechs Tipps, wie Sie mehr Mut entwickeln können, inspirieren. 

  1. Selbstliebe kultivieren
    Eine grundlegende Voraussetzung, um mutig handeln können, ist die Liebe zu uns selbst. Um sich das zu verdeutlichen, stellen Sie sich ein Kind vor, welches von seinen Eltern innig geliebt wird: Dieses Kind wird ermutigt, sich Herausforderungen zu stellen. Es wird liebevoll und nachsichtig behandelt, wenn ihm mal etwas nicht gelingt. Und es kann sich ohne Angst ausprobieren, weil es weiß, dass jemand an es glaubt. Lernen Sie, eine solche Liebe wie diese Eltern gegenüber dem Kind sich selbst gegenüber zu bringen! Das gelingt leichter, wenn Sie sich verdeutlichen, was an Ihnen toll ist: Reflektieren Sie, welche Stärken Sie haben, was Ihnen besser gelingt als anderen, was Sie besonders macht. Wer möchte, kann aus dieser Übung auch ein regelmäßig geführtes Selbstliebe-Tagebuch machen, in das positive Erfahrungen, Erfolge und Komplimente eingetragen werden. 
     
  2. Der eigenen Intuition vertrauen
    Wir können die Furcht vor Risiken besser überwinden, wenn wir lernen, unseren spontanen Gefühlen und unseren moralischen Urteilen zu vertrauen. Denn Mut, zumindest die soziale Form, hat viel damit zu tun, sich für die Verteidigung der eigenen Werte und Glaubenssätze einzusetzen. Gelingt uns das und leben wir im Einklang mit unseren innersten Überzeugungen, fühlen wir uns zufrieden und haben ein „gutes Gewissen“. Sie können es trainieren, mehr auf Ihre innere Stimme zu achten, indem Sie im Alltag regelmäßig innehalten, tief durchatmen und sich fragen: „Wie fühlt sich das für mich an? Wie stehe ich wirklich dazu?“ Beachten Sie dabei sowohl Ihr Bauchgefühl als auch Ihre Gedanken. Denken Sie außerdem darüber nach, welche Wertvorstellungen und Glaubenssätze Ihnen wichtig sind, und schreiben Sie sie auf. Beispiel: Wenn Sie beobachten, wie eine ausländische Person in der U-Bahn angepöbelt wird, vertrauen Sie auf Ihre Intuition, die „Das ist ungerecht!“ sagt, sowie auf Ihre Überzeugung, dass Menschen nicht aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit diskriminiert werden sollten – spüren Sie diese Einstellung ganz stark in sich, wird es Ihnen leichter fallen, die Angreifer zu konfrontieren.  
     
  3. Groß träumen
    Große, inspirierende Visionen zu haben, ermöglicht es uns, sich mehr für uns selbst vorstellen zu können – und das macht uns mutiger, weil unsere Ziele dadurch gar nicht mehr so unerreichbar erscheinen. Zur positiven Visualisierung Ihrer tollen Zukunft können Sie ein Vision Board erstellen: eine Collage oder Zeichnung, die alles zeigt, was Sie an Ihrem persönlichen Ziel haben und fühlen werden. Der letzte Punkt ist entscheidend, denn um Mut zu entwickeln, sollten wir uns unbedingt das gute Gefühl vorstellen, was sich nach der Überwindung unserer Ängste einstellt. Ihr Vision Board kann also beispielsweise beinhalten, wie glücklich und stolz Sie sich fühlen werden, wenn Sie den Schritt gewagt und Ihr eigenes Start-up gegründet haben werden. Inspiration zum „groß Träumen“ erhalten Sie zudem, wenn Sie die folgenden Sätze vervollständigen:

    •    Wenn ich könnte, würde ich …
    •    Wenn Angst und Geld keine Rolle spielen würden, dann …
    •    Wenn ich drei Wünsche frei hätte, dann …

    Schließlich ist eine weitere hilfreiche Übung der „in Erfüllung gegangene Wunschzettel“. Beschreiben Sie (am besten schriftlich) zum Beispiel Ihr Jahr 2030, als sei es bereits Gegenwart und Sie an Ihrem Ziel angekommen: „Es ist 2030, und ich bin so unglaublich dankbar dafür, dass ich …“ Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf und malen Sie sich ganz ausführlich aus, was alles bereits passiert sein wird. Beflügelt von diesem positiven Gefühl wird es Ihnen leichter fallen, den nötigen Mut zur Realisierung Ihrer Träume aufzubringen. 
     
  4. Eigene Grenzen realistisch einschätzen
    Sehr häufig sind es gar nicht objektive Grenzen oder Gefahren, die uns zurückhalten, sondern eigene „Angstschranken“, die wir mit Mut überwinden müssen. Damit dies gelingt, sollten wir reflektieren uns fragen, welche Ängste es im Konkreten sind, die uns lähmen, und welche der drei Mutformen deren Überwindung braucht (physischer, sozialer oder psychologischer Mut). Außerdem lohnt es sich, die eigenen Grenzen regelmäßig zu hinterfragen: Denn oft basieren sie auf unbewussten Glaubenssätzen oder auf vergangenen Ausgangssituationen, die mittlerweile völlig überholt sind. Vielleicht spuken Ihnen von Ihren Eltern übernommene Einstellungen noch im Kopf herum (zum Beispiel „Sport ist Mord.“ oder „XY ist viel zu gefährlich!“), oder Sie gehen von Ihrem Kompetenzniveau aus, welches Sie früher einmal hatten – beispielsweise vor Ihrem Studium und vor Jahren der Arbeitserfahrung – und was mittlerweile nicht mehr aktuell ist. Versuchen Sie, sowohl Ihre Überzeugungen als auch die Einschätzung Ihrer Fähigkeiten auf ein realistisches, auf dem jetzigen Stand basierendes Niveau zu bringen. 
     
  5. Ehrlichkeit trainieren
    Zu anderen und zu sich selbst ehrlich zu sein, ist eine wichtige Basis für die Entwicklung von Mut. Denn wenn wir immer wieder die Realität negieren oder vermeiden, hindert uns das an unserem Wachstum: Wir neigen dann zum Beispiel dazu, in eine Traumwelt zu flüchten, statt in der Wirklichkeit unsere Träume wahrzumachen, oder wir sagen gegenüber anderen Menschen nicht die Wahrheit, um keinen Konflikt zu riskieren. Es braucht psychologischen und sozialen Mut, um gegenüber sich selbst und gegenüber anderen aufrichtig zu sein – arbeiten wir entsprechend daran, wird das unsere Fähigkeit zu mutigem Handeln in Zukunft noch steigern. Das gelingt Ihnen, indem Sie die befürchteten Folgen von Ehrlichkeit entmystifizieren: Vielleicht befürchten Sie Streit, Unverständnis oder Kritik von anderen, wenn Sie unbequeme Dinge ansprechen, und womöglich möchten Sie sich vor schmerzhaften Erkenntnissen über sich selbst schützen und verdrängen diese lieber. Die Lösung: Spielen Sie in Ihrem Kopf durch, was schlimmstenfalls passieren könnte, wenn Sie sich trotzdem für den ehrlichen Weg entscheiden. Denn meist sind die Folgen nicht so schlimm, wie Sie befürchten. 
     
  6. Aus der Vergangenheit lernen 
    Schließlich ist es hilfreich, wenn wir unseren bisherigen Lebenslauf betrachten und uns darüber bewusst werden, dass Mut in der Regel belohnt wird. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit und überlegen Sie: In welchen Situationen haben Sie bereits Mut bewiesen? Wenn Sie möchten, können Sie diese Frage auf die drei Arten von Mut aufteilen. Wo und wie haben Sie (eigene oder äußere) Grenzen überwunden? Was waren die Folgen, wie haben Sie sich danach gefühlt? Wenn Sie positive Erfahrungen mit dem Mutigsein rekapitulieren und verinnerlichen, machen Sie es sich selbst leichter, auch künftig wieder mutig zu handeln. 

Fazit

Sie müssen sich nicht unter Druck setzen, von jetzt an immer Mut zu beweisen oder in jedem Bereich Ihres Lebens absolut mutig zu sein. Jeder Mensch ist von Natur aus in einigen Hinsichten weniger mutig: So können „vorlaute“ Typen plötzlich ganz still werden, wenn es um Höhenangst geht, und waghalsige Sportler*innen bringen womöglich kein Wort heraus, wenn sie jemanden um ein Date bitten wollen. Sie sind in Ordnung, so wie Sie sind! Was Sie jedoch für sich versuchen können, ist das Entwickeln von mehr Mut in Belangen, die Ihnen am Herzen liegen – für ein Leben im Einklang mit Ihren Zielen, Träumen und Werten und ohne (selbstgemachte) Schranken.