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Deep Work: Wie wir lernen, wieder konzentriert zu arbeiten

Deep Work: Wie wir lernen, wieder konzentriert zu arbeiten

Medien, soziale Netzwerke, Smartphones, verlockende Angebote an jeder Ecke – wir leben in einer Welt voller Ablenkungen, die es schwer machen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – auch im Joballtag. Durch Deep Work können wir lernen, uns wieder zu fokussieren, um kreativer und erfüllter zu arbeiten. Ragnhild Struss erklärt, wie es funktioniert.

Was die Arbeit wirklich anstrengend und zeitintensiv macht, ist die permanente Ablenkung vom Wesentlichen. Dass wir überall präsent und ansprechbar sein wollen, dass wir ganz automatisch zwischen verschiedenen Themen und Tätigkeiten hin- und herspringen, dass 15 Tabs und acht Programme gleichzeitig offen sind, dass wir ständig aus dem Hier und Jetzt herausgerissen werden. Längst ist erwiesen, dass Multitasking ein Mythos ist. Keiner kann zwei Dinge gleichzeitig, das Gehirn springt immer zwischen beiden hin und her. Haben wir unsere Arbeit einmal unterbrochen, benötigen wir im Schnitt ganze 23 Minuten, um uns wieder wirklich ins Thema einzuarbeiten. Und ja, schnell eine E-Mail zu lesen, einen Anruf zu beantworten, das kleine Gespräch im Türrahmen zu führen, nur kurz bei Instagram reinzuschauen, parallel zu arbeiten und zu essen und alles andere, was „eben mal schnell zwischendrin“ erledigt wird, sind genau solche Unterbrechungen. 

Um Ressourcenverschwendung und Erschöpfung vorzubeugen, die durch diese Art des zerrissenen Arbeitens entsteht, lohnt es sich zu lernen, uns wieder richtig zu konzentrieren. Uns einer Sache voll und ganz zu widmen und eins nach dem anderen zu erledigen. Wir sollten uns in Deep Work üben.

Was ist „Deep Work“?

Deep Work bedeutet im Prinzip nichts anderes, als konzentriert, fokussiert und ohne Ablenkung zu arbeiten. Geprägt wurde der Begriff von Cal Newport, einem US-amerikanischen Informatik-Professor. Dieser wirft in seinem Buch „Deep Work: Regeln für eine Welt voller Ablenkungen“ einen kritischen Blick auf die Kommunikation über E-Mails, soziale Medien und Chats. Newport versteht unter Deep Work: intensive Konzentration, arbeiten bzw. nachdenken oder lernen ohne Ablenkung. In diesen Phasen widmen wir unsere volle Aufmerksamkeit einem einzigen Projekt, einer Tätigkeit, einer Idee. Wir kümmern uns um den Kern unserer Arbeit und kommen in einen Flow-State.

Was so schlicht und einfach klingt, ist in der Praxis, besonders in unserer schnelllebigen, digitalisierten, agilen (Arbeits-)Welt, eine echte Herausforderung. Während es im vordigitalen Zeitalter viel selbstverständlicher war, sich auf einzelne Bereiche der Arbeit zu fokussieren und nicht alles parallel erledigen zu wollen, muss diese Art der Fokussierung heute erst wieder gelernt werden. Newport sagt:

Deep Work ist keine altmodische Fähigkeit, sondern wird zu einer Schlüsselqualifikation für jeden, der sich in einer weltweiten, wettbewerbsstarken Informationsgesellschaft durchsetzen will.
 

Shallow Work: Das Gegenteil von Deep Work

Um zu verstehen, was Deep Work ist und was nicht dazu gehört, kann man sich das Gegenstück ansehen, das Newport als „Shallow Work“ bezeichnet, also eher oberflächliche Arbeiten, die uns kognitiv nicht herausfordern. Je nachdem, welchen Job Sie ausüben, wird diese Art von Arbeit einen mehr oder weniger großen Teil Ihres Arbeitstages ausfüllen. 

Vermutlich kennen auch Sie das Gefühl, morgens schnell ein paar Mails und Aufgaben abarbeiten und kurz ein paar Termine koordinieren zu wollen, um sich dann Ihrer „eigentlichen“ Tätigkeit zu widmen. Wie oft ist dann plötzlich ein halber Tag vergangen, bis Sie wirklich dazu kommen? Bis dahin sind Sie mit Shallow Work beschäftigt, zulasten Ihrer wesentlichen Projekte, denen Sie viel mehr Zeit und Aufmerksamkeit – und die beste energiereichste Zeit Ihres Bio-Rhythmus – widmen wollten. 

Zur sogenannten Shallow Work zählen Tätigkeiten wie: Semi-wichtige oder nicht dringliche E-Mails beantworten, über Slack chatten, per WhatsApp kommunizieren oder ständig Nachrichten und soziale Netzwerke checken. Auch organisatorische und koordinative Aufgaben können als Shallow Work verstanden werden, die keine tiefe Konzentration benötigen. Ebenso wie beim Multitasking: Wenn Sie verschiedene Dinge parallel bzw. schnell hintereinander erledigen und von einem zum anderen springen, ist das alles andere als effektive konzentrierte Arbeit. 

Wieso ist es so schwer, sich zu fokussieren?

Deep Work erfordert Konzentration und Fokus, eine Arbeit ohne Ablenkung, doch genau das sind wir nicht mehr gewöhnt. Sowohl im Privaten als auch im Berufskontext ist es selbstverständlich geworden, permanent erreichbar zu sein und mit verschiedensten Personen über diverse Kanäle und Chatprogramme über den Tag hinweg in Kontakt zu stehen. Wir beantworten E-Mails, während wir gerade ein Projekt ausarbeiten, versorgen soziale Medien mit Content, während wir an einer Konferenz teilnehmen und chatten, während wir an einem Zoom-Meeting teilnehmen. 

Das Problem dabei: Wir werden ständig von unserer eigentlichen Aufgabe weggeholt. Mit jeder E-Mail, die ins Postfach rauscht, mit jedem springenden App-Symbol am Rechner werden wir von einer Tätigkeit und der Konzentration darauf weg- und zu etwas Neuem hingezogen. Jede dieser Unterbrechungen kostet Energie und Zeit. Wenn wir dahin zurückkehren wollen, womit wir eigentlich gerade beschäftigt waren, als das Telefon klingelte oder wir nur eben schnell auf eine Nachricht antworten wollten, müssen wir das Telefonat oder die Nachricht innerlich abhaken, uns wieder orientieren und neu eindenken. Wie aufwändig dieser Prozess ist, wurde mit wissenschaftlichen Studien untersucht: Bis wir gedanklich wieder so konzentriert und mit unserer Aufmerksamkeit an dem Punkt angelangt sind, an dem wir aufgehört haben, vergeht kostbare Zeit, die wir durch das Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Inhalten und Aufgaben verlieren.

Warum sollten wir Deep Work lernen? Wozu dient es?

Ganz gleich, ob es sich um Kunst, Literatur, Musik oder wissenschaftliche Forschungen handelt – kreative und konzeptionelle Prozesse brauchen Zeit, erst recht, wenn man nicht darin geübt ist, sich wirklich und tief auf eine Aufgabe einzulassen. Natürlich gibt es immer Ausnahmen, doch in der Regel werden Bücher nicht mal eben so nebenbei geschrieben. Großen Ideen geht meist eine lange und intensive Beschäftigung mit der Thematik voraus, und die besten Lösungen entstehen erst im konzentrierten Prozess der intensiven Beschäftigung mit der Materie. Selbst wenn Sie weder einen Bestseller schreiben, noch eine neue Theorie zur Quantenphysik entwickeln wollen, gibt es gute Gründe, Deep Work zu praktizieren und in Ihren Arbeitsalltag zu integrieren:

Mehr Flow: Wenn wir uns voll und ganz auf eine Aufgabe konzentrieren, kostet uns die Arbeit wesentlich weniger Energie, oft spendet sie uns sogar Energie, weil wir vollkommen in dem aufgehen, was wir tun. Dann kommt es zum sogenannten Flow, der uns alles andere als die aktuelle Tätigkeit ausblenden und vergessen lässt und echte Glücksgefühle auslösen kann. 

Mehr Verständnis: In der Folge können wir uns besser auf das Thema einlassen, tiefer eintauchen, mehr begreifen und bessere Lösungen finden.

Mehr Qualität: Durch Deep Work erschaffen wir qualitativ hochwertigere Ergebnisse, weil wir bei der Sache bleiben, inhaltlich tiefer eindringen und Gedanken oder Tätigkeiten weiterentwickeln können, ohne permanent gestört und abgelenkt zu werden.

Mehr Potenzial: Wenn wir tief arbeiten, mehr verstehen und bessere Ergebnisse erzielen, sind wir motivierter, leistungsfähiger und kommen näher an unser tatsächliches Potenzial heran.

Mehr Produktivität: Die Produktivität – nicht im Sinne von Quantität, sondern im Sinne von hochwertigen Ergebnissen – steigt durch Deep Work.

Mehr Sinn: Statt uns kleinteilig zu verzetteln, am Ende des Tages alle Mails abgearbeitet, aber nichts Eigenes geschaffen zu haben, bringen wir durch Deep Work das große Ganze voran, wodurch unsere Arbeit auf lange Sicht erfolgreicher, erfüllter und sinnvoller sein wird. 

Mehr Selbstwirksamkeit: Tief in ein Thema einzusteigen und qualitativ wertvolle Ergebnisse zu erzielen, erhöht die innere Zuversicht, schwierige und herausfordernde Aufgaben erledigen zu können, was wiederum den beruflichen Selbstwert steigert.

Mehr Sichtbarkeit: Wer einen entscheidenden Mehrwert liefert, indem er oder sie inhaltlich tief taucht und so vollumfängliche Verantwortung für einen Aufgabenbereich übernimmt, etabliert sich als verlässliche*r Mitarbeiter*in.

Mehr Vorbildfunktion: Wer nicht ständig erreichbar ist, setzt ein wichtiges Signal für seine Mitarbeitenden: sich eingehend und in aller Tiefe mit wichtigen Dingen zu beschäftigen, ist kulturell erwünscht.

Fazit

Egal wie hektisch der Alltag mit seinen vielfältigen Anforderungen sein mag: Sie sollten sich so strukturieren, dass es möglich ist, eine Aufgabe nach der anderen zu erledigen, um in das Stadium der „Deep Work“ eintauchen zu können. Der kumulierte Effekt des „Länger Dranbleibens“ spart im Grunde Zeit ein und hat im Endeffekt mehr Vorteile als das ständige Hin-und-Herspringen zwischen vielen Aufgaben. 

In Teil II dieses Artikels lesen Sie, wie genau Deep Work funktioniert, was dieser tiefgründigen Arbeit im Weg steht und wie Sie lernen, Deep Work zu praktizieren.

 

Die wichtigste Grundlage für beruflichen Erfolg und persönliche Zufriedenheit bildet eine Lebensführung in Übereinstimmung mit Ihrer Persönlichkeit. Sie zu kennen, ist der erste Schritt. Mit unserem kostenfreien Schnuppertest bieten wir Ihnen die Möglichkeit, ihn zu gehen und einen ersten Einblick in Ihr Inneres zu erhalten.

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