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Wie werde ich endlich ernst genommen?

Wie werde ich endlich ernst genommen?

Ragnhild Struss

Sie sind motiviert, leidenschaftlich und kompetent, haben aber dennoch das Gefühl, dass Ihre Kollegen und Chefs Sie nicht für voll nehmen? Ihre Meinung scheint niemanden zu interessieren, andere fallen Ihnen ständig ins Wort und Ihre Vorschläge werden in Meetings überhört – bis ein anderer Kollege dieselbe Idee äußert und dafür die Lorbeeren einheimst? Das fühlt sich nicht nur ungerecht an, es nagt auf Dauer auch am Selbstbewusstsein und an der Motivation.

Wenn Wertschätzung Mangelware ist und jedes noch so gute Arbeitsergebnis bestenfalls stillschweigend zur Kenntnis genommen wird, ruft das bei Ihnen als Arbeitnehmer womöglich eine der folgenden Reaktionen hervor:

  1. Sie legen noch eine Schippe drauf, schrauben Ihre Performance kontinuierlich weiter nach oben und produzieren beste Ergebnisse in kürzester Zeit. Ihr Verlangen nach Anerkennung lässt Sie im Hamsterrad der Arbeit rotieren. Das alles verhilft Ihnen jedoch nicht zwangsläufig zu mehr Sichtbarkeit – es verursacht vor allem Stress, Müdigkeit und Erschöpfung.
  2. Ihre Enttäuschung über die ungerechte Behandlung schlägt um in Trotz. Sie werfen innerlich das Handtuch, frei nach dem Motto: „Bringt ja eh nichts!“, und machen Ihrem Ärger Luft. Ob durch bewusste Provokationen oder intuitiv durch Ihre Gestik und Mimik: Ihr Umfeld wird Ihren Unmut bemerken und sich folglich mehr auf Ihr hitziges Auftreten als auf Ihre Argumente und Leistungen konzentrieren.

Anstatt sich im Arbeitswahn zu verlieren oder innerlich die Kündigung zu unterschreiben, sollten Sie strategisch vorgehen, um sich den Respekt Ihrer Chefs und Kollegen zu erarbeiten.

Mit Fachwissen überzeugen

Die Grundlage Ihrer Reputation bildet Ihre Kompetenz. Komme, was wolle: Hier dürfen Sie keine Abstriche machen. Bilden Sie sich daher laufend fort und bauen Sie sich einen Expertenstatus auf. Etablieren Sie sich als wichtiger Ansprechpartner für Ihre Kollegen und nutzen Sie jede Gelegenheit im Arbeitsalltag, um mit Ihrem Fachwissen zu glänzen. Bemühen Sie sich außerdem, in Meetings stets am Ball zu bleiben – selbst wenn niemand Sie wahrzunehmen scheint. Sollten Sie in einem guten Moment doch die ungeteilte Aufmerksamkeit erlangen, wäre es schließlich ärgerlich, nichts Substanzielles beitragen zu können.

Stabilen Selbstwert entwickeln

Die wichtigste Stellschraube für eine ausgeprägte Überzeugungskraft bildet Ihr Selbstwert. So banal das auch klingt: Sie wirken auf andere genau in dem Maße selbstbewusst und überzeugend, wie Sie zu sich selbst stehen. Wenn Sie sich Ihrer Stärken und Entwicklungsfelder bewusst sind, strahlen Sie das auch aus. Die besten Voraussetzungen für ein starkes Charisma!

Bei der Entwicklung eines stabilen Selbstwerts kann Ihnen beispielsweise ein Lob-Tagebuch helfen: Notieren Sie sich darin jeden Abend mindestens drei Dinge, die Ihnen gut gelungen sind. Das lässt Sie nicht nur mit einem guten Gefühl ins Bett gehen – es zahlt sich auch langfristig aus. Wenn Sie sich Ihre Notizen jeden Abend erneut durchlesen, entwickeln Sie mit der Zeit einen liebevolleren Blick auf sich selbst.

Selbstbewusst auftreten

Während Sie an einem stabileren Selbstwert arbeiten, können Sie in der täglichen Kommunikation bereits auf einige Dinge achten, um selbstbewusster auf Ihr Umfeld zu wirken:

  • Streichen Sie alle relativierenden Ausdrücke wie „eventuell“, „vielleicht“ oder „ein bisschen“ aus Ihrem Wortschatz – sowohl in der mündlichen als auch in der schriftlichen Kommunikation. Eine klare, entschlossene Ausdrucksweise verleiht Ihnen mehr Überzeugungskraft.

  • Der Ton macht die Musik. Achten Sie beim Sprechen neben einer angemessenen Lautstärke auch darauf, Ihre Sätze immer mit einem Punkt zu beenden und Ihre Stimme entsprechend abzusenken. Das stärkt Ihre Glaubhaftigkeit enorm: Es suggeriert Ihrem Gesprächspartner, dass es sich bei Ihrer Äußerung um einen triftigen Fakt handelt, an dem es nichts zu bezweifeln gibt.
  • Seien Sie sichtbar: Wählen Sie in Meetings immer einen mittigen Platz und halten Sie Blickkontakt, wenn Sie mit jemandem sprechen. Machen Sie sich außerdem körperlich groß, indem Sie sich aufrecht hinsetzen, sich zum Bespiel mit dem Oberkörper nach vorn lehnen und Raum einnehmen.

Unternehmerisch denken

Nehmen Sie die Perspektive Ihres Vorgesetzten bzw. Ihres Arbeitgebers ein, wenn es um die Entwicklung neuer Ideen geht. Was würde das Unternehmen voranbringen? Wie ließe sich die Arbeit für das Team vereinfachen? Wenn Sie Ihren Blick für Fragen wie diese schärfen, stehen die Chancen gut, dass Ihre Vorschläge Gehör finden. Gehen Sie entweder direkt auf Ihren Chef zu, oder – falls Ihnen das eine Nummer zu groß ist –, suchen Sie sich innerhalb des Teams einen Sparringspartner, dessen Meinung Gewicht hat. Weihen Sie ihn im Eins-zu-Eins-Gespräch in Ihre Idee ein und machen Sie ihn zum Verbündeten, mit dem Sie gemeinsam an der Umsetzung arbeiten können.

Vertrauen aufbauen

Oft ist Wertschätzung nur eine Frage der Zeit. Wenn Sie gerade erst den Job oder das Team gewechselt haben, ist es ganz natürlich, dass Sie sich die Anerkennung Ihrer neuen Kollegen erst erarbeiten müssen. Lassen Sie sich daher nicht so schnell entmutigen, sondern bleiben Sie realistisch und nehmen Sie eine entspannte Haltung ein. Wenn Sie ehrliches Interesse an Ihren neuen Teammitgliedern zeigen und sich ebenfalls als nahbarer, verlässlicher Mitarbeiter beweisen, werden Sie mit großer Wahrscheinlichkeit bald in den „Inner Circle“ aufgenommen.

Offen kommunizieren

Falls Sie trotz aller Geduld und Bemühungen weiterhin auf Granit beißen und übergangen werden, sollten Sie das persönliche Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten suchen. Sprechen Sie das Problem offen an und veranschaulichen Sie Ihre Situation, ohne dabei destruktiv oder vorwurfsvoll zu wirken. Verdeutlichen Sie Ihr Engagement und Ihre Bereitschaft, etwas zu verändern. Fragen Sie, was Sie tun können, um mehr Aufmerksamkeit für Ihre Beiträge zu gewinnen. Sicher wird Sie das etwas Überwindung kosten, aber auf diese Weise machen Sie unmissverständlich auf sich und Ihre Bedürfnisse aufmerksam – und sind Ihrem Ziel damit bereits ein gutes Stück näher.