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Unter welchen Bedingungen die Gen Z großgeworden ist und warum sie Verständnis und Mitgefühl verdient

Unter welchen Bedingungen die Gen Z großgeworden ist und warum sie Verständnis und Mitgefühl verdient

Unter welchen Bedingungen die Gen Z großgeworden ist und warum sie Verständnis und Mitgefühl verdient

 

Die Gen Z fordert die Arbeitswelt heraus. Von vielen wird sie als besonders anspruchsvoll empfunden, sie wahrt ihre Grenzen und legt Wert auf ihr Privatleben. Ein Blick auf die Bedingungen, unter denen diese Generation großgeworden ist, kann helfen, sie besser zu verstehen.

Verunsichernde Vergangenheit

Viele Angehörige der Gen Z haben durch die Coronapandemie eine prägende Zäsur erlebt. Sie traf sie entweder mitten in der Pubertät oder während des Studiums. Unabhängig vom Zeitpunkt wurden zentrale soziale Entwicklungsschritte unterbrochen. Begegnung, Reibung, Zugehörigkeit fanden plötzlich hinter Bildschirmen statt.

Wer sich heute wundert, warum junge Kolleginnen und Kollegen in der Mittagspause lieber am Handy sind als im Gespräch, könnte darin eine Spur finden. Auf eine Phase sozialer Isolation folgten weitere Krisen: der Krieg in der Ukraine, Inflation, der Nahostkonflikt, geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheit. Viele junge Menschen mussten individuelle, familiäre und globale Krisen gleichzeitig verarbeiten, oft isoliert in Kinderzimmern oder neu bezogenen WGs. Dieses Ausmaß an Belastung spiegelt sich in steigenden Zahlen psychischer Erkrankungen in diesen Alterskohorten wider. In Kohortenanalysen zeigt sich zudem, dass Gen Z im Durchschnitt eine geringere psychische Widerstandskraft (Resilienz) aufweisen als ältere Generationen, sowie sichtbar in höhere Stresssymptome und häufiger maladaptives Coping.

Unsichere Zukunft

Gen Z ist mit ambivalenten Leistungsansprüchen sozialisiert worden. Einerseits haben sie Eltern miterlebt, die teilweise viel gearbeitet haben. Die den „alten Arbeitsethos“ erfüllt, doch damit vielleicht ihre Familien vernachlässigt, ihre Kinder verpasst haben. Sie haben an diesen Eltern eventuell auch erlebt, dass ein starker Fokus auf den Lebensbereich der Arbeit dazu führte, das andere zu kurz kamen und wie sich das auf die Lebenszufriedenheit ausgewirkt hat.

Aus diesen Familien wurde dennoch ein gewisses Leistungsbild vermittelt, welches implizit weitergegeben wurde. Dies stellt ein inneres Dilemma dar, welches durch unvollständig abgebildete Erfolgsgeschichten auf Social Media vermeintlich aufgehoben werden kann. Auf einmal ist da das Versprechen, mit wenig Anstrengung viel Geld zu verdienen und Anerkennung zu erhalten. Doch das ist nur wenigen vergönnt, also doch wieder zurück zum erlernten Leistungsethos? Doch Moment! Die Welt, in der dieser galt, löst sich gerade auf. Jobs werden weniger, KI stellt sowieso alles auf den Kopf und das Gefühl, mit einer Entscheidung, die falsche zu treffen, kann nicht so richtig genommen werden.

Es ist nachvollziehbar, dass in dieser Gemengelage –  einem anderen Versprechen an die Zukunft – eine eigene Gleichung aufgestellt wird. Die Zukunft ist unsicher geworden. Eine hohe Leistungsbereitschaft ist aber eine Wette auf die Zukunft. Dass Gen Z diese Wette nicht eingeht, liegt nicht an Faulheit, sondern ihren Erfahrungen.

Immer Online

Die Gen Z ist vollständig digital sozialisiert. Viele hatten früh ein Smartphone und damit dauerhaften Zugang zu sozialen Räumen. Wer nicht online war, riskierte, soziale Dynamiken zu verpassen. Permanente Erreichbarkeit wurde zum Normalzustand.

Damit einher ging ein enormer Performancedruck. Sichtbarkeit, Selbstinszenierung, Positionierung und sprachliche Sensibilität gewannen an Bedeutung. Ein unbedachter Satz verschwindet nicht einfach, sondern bleibt stehen, wird gespeichert, weitergeleitet und neu kontextualisiert.

Junge Menschen wuchsen in einer Phase hoher Vulnerabilität unter kontinuierlicher Beobachtung auf. Räume für Fehler ohne Publikum waren seltener. Bewertungen und Vergleiche begleiteten viele durch ihre gesamte Jugend. Wer unter solchen Bedingungen groß wird, entwickelt ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Schutzräumen und klaren Grenzen. Und hat zugleich gelernt: alles, was mich bewegt, wird öffentlich verhandelt. Vielleicht ist die Anforderung, die eigenen Themen bei der Arbeit zu platzieren keine Eigenheit, die sich rausgenommen wird, sondern die Welt, wie sie von dieser Generation als normal erlebt wird.

Bindungsorientierte Erziehung gone wrong?

In sozialen Medien berichten selbstkritische Eltern aus der Elterngeneration der Gen Z, sie hätten ihre Kinder bewusst bindungsorientiert erziehen wollen und seien dabei teilweise zu weit gegangen. Sie reflektieren, zu wenig Grenzen gesetzt oder eigene Emotionen zu stark in den Vordergrund gestellt zu haben.

Empirische Daten dazu sind begrenzt. Dennoch wirft die Beobachtung eine interessante Frage auf. Viele junge Menschen haben gelernt, Gefühle ernst zu nehmen und zu benennen. Nicht immer wurde jedoch vermittelt, wie Emotionen reguliert und in unterschiedliche Kontexte eingeordnet werden können.

So entsteht mitunter ein Selbstbild, das emotionale Kompetenz voraussetzt, während praktische Strategien im Umgang mit intensiven Gefühlen weniger stabil verankert sind. Im Arbeitskontext kann das zu Spannungen führen, wenn emotionale Offenheit auf strukturelle Anforderungen trifft.


Generationen entstehen nicht zufällig. Sie sind Ergebnis von Erziehungsstilen, gesellschaftlichen Entwicklungen und politischen Entscheidungen. Wenn die Gen Z unter besonderen Bedingungen großgeworden ist, dann ist das auch Teil unserer gemeinsamen Geschichte. Daraus erwächst eine Verantwortung, sie nicht zu kritisieren, sondern sie beim Hineinwachsen in diese Welt zu begleiten.

 

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