#Persönlichkeitsentwicklung

Kontaktaufnahme mit unserem inneren Kern: 14 Fragen zur Selbstreflexion

Kontaktaufnahme mit unserem inneren Kern: 14 Fragen zur Selbstreflexion

Pia Lenk

Während wir uns in unserem alltäglichen Leben umstrukturieren, nutzen wir die Zeit, um mehr Kontakt mit uns selbst aufzunehmen. Mit den folgenden 14 Fragen, Anregungen und Tipps können Sie Ihren Blick gezielt nach innen richten und die ruhige Zeit nutzen, um sich selbst besser kennenzulernen. Wir empfehlen Ihnen, all Ihre Gedanken und Antworten schriftlich festzuhalten und zum Schluss vielleicht sogar ein Visionboard zu gestalten: Eine Vorlage hierfür stellen wir Ihnen am Ende des Artikels als Download zur Verfügung. Viel Spaß! 

Step 1: Was motiviert Sie?

Nur wer motiviert ist, kann zur Höchstform auflaufen – und selbst schwierige Situationen meistern. Fragen Sie sich daher heute: Was treibt Sie zum Handeln an? Was muss gegeben sein, damit Sie richtig Lust verspüren, einer Aufgabe nachzugehen? Spornt es Sie zum Beispiel an, sich im Wettkampf mit anderen zu messen? Oder motiviert es Sie eher, im Team gemeinsam auf etwas hinzuarbeiten? Lösen neue Herausforderungen einen besonderen Reiz auf Sie aus? Oder ziehen Sie Ihre Energie daraus, eine vergleichbare Aufgabe schon einmal gemeistert zu haben? Wenn Sie Ihre persönlichen Antreiber kennen, können Sie dieses Wissen für Ihre berufliche Orientierung nutzen und Ihr Umfeld so wählen, dass es Sie beflügelt, das Beste aus sich herauszuholen.

Tipp: In seinem TED Talk Warum wir tun, was wir tun erklärt Motivationscoach Tony Robins auf inspirierende Art und Weise, wie unsere individuellen Motivatoren uns in unserem täglichen Denken, Entscheiden und Handeln leiten und wie wir diese Antreiber identifizieren können. 

Step 2: Welche Werte sind Ihnen wichtig?

Denken Sie mal darüber nach: Werte sind Eigenschaften, Qualitäten oder Zustände, die wir für erstrebenswert halten und nach denen wir – manchmal auch unbewusst – unser Verhalten ausrichten. Machen Sie sich einmal klar, was genau Ihre Wertvorstellungen sind: Glauben Sie, dass es im Leben am wichtigsten ist, Wissen und Kompetenz zu erreichen? Spielt Sicherheit bei Ihnen eine entscheidende Rolle oder vielleicht eher Freiheit? Lieben Sie Harmonie, sind Sie ein Mensch, dem Familie viel bedeutet, oder steht bei Ihnen Spaß an erster Stelle? Streben Sie Wohlstand und Status an – oder ist Spiritualität ein zentrales Lebensziel für Sie? Wenn Sie wissen, was Ihnen in Ihrem Leben wichtig ist, können Sie noch gezielter Ihren beruflichen und privaten Weg so ausrichten, dass er mit Ihren ganz persönlichen Wertvorstellungen im Einklang steht.

Tipp: Um sich Ihrer eigenen Werte bewusst zu werden, können Sie den kurzen Online-Test von Ein guter Plan" nutzen. 

Step 3: Welche Glaubenssätze prägen Sie?

Unsere Glaubenssätze sind wie Baukastenelemente, die unseren täglichen Blick auf die Welt konstituieren. Auf eine Art sind sie der Autopilot, der uns durchs Leben führt. Das klingt erstmal ganz angenehm, aber leider hat sich besonders in der Kindheit auch so mancher Glaubenssatz eingeprägt, der korrekturwürdig ist. „Ich bin nicht gut genug”, „Nur die Harten kommen in den Garten” oder „Das schaffe ich eh nicht” sind Beispiele solcher Denkmuster, die uns in unserem täglichen Handeln beeinflussen und unterbewusst hemmen. Diese Glaubenssätze versuchen wir heute zu entlarven, um im Anschluss neue, positivere Perspektiven zu entwickeln. Wie wäre es mit: „An jeder Herausforderung wachse ich” oder „Alles ist möglich”? 

Tipp: Wie wir unser Unbewusstes, unsere Gefühls- und Gedankenwelt sowie unser Handeln durch einen bewussten Einsatz unserer Sprache positiv beeinflussen können, können Sie in unserem Blog-Beitrag Talk positive: Von der Relevanz des positiven inneren Dialoges nachlesen. 

Step 4: Bei welcher Tätigkeit vergessen Sie Raum und Zeit?

Das beglückende Gefühl, vollständig in eine Aufgabe vertieft zu sein und dabei alles andere auszublenden, nennen Psychologen 'Flow'. Wenn die Anforderungen einer Tätigkeit und unsere Fähigkeiten, diese zu bewältigen, im Gleichgewicht stehen und wenn wir uns ganz auf etwas konzentrieren, kann dieser angenehme Zustand erreicht werden. Achten Sie  einmal darauf, wann Sie sich so fühlen: Beim Joggen, Bouldern oder Yoga? Beim Spielen – am Computer oder mit einem Kind? Beim Lernen eines für Sie spannenden Themas oder beim Schreiben? Beim Gitarrespielen, Stricken, Malen oder Handwerken? Der Flow-Zustand hat positive Effekte auf unsere Zufriedenheit und hilft Stress abzubauen.

Tipp: Wenn Sie mehr über den Flow-Zustand erfahren wollen, können wir Ihnen das Buch Flow. Das Geheimnis des Glücks von Mihaly Csikszentmihalyi empfehlen.

Step 5: Wie geht es Ihnen heute?

Diese Frage sollten Sie sich jeden Tag aufs Neue stellen, denn: Selbstfürsorge sollte immer ein fester Bestandteil Ihres Alltags sein. Nehmen Sie sich und Ihre Bedürfnisse ernst und versuchen diese Sie im hektischen Alltag nicht zu unterdrücken. Zufriedenheit und Glück sind erstrebenswerte Ziele, welche ohne die nötige Portion Selbstfürsorge nicht dauerhaft zu erreichen sind. Also: Put yourself at the top of your to-do list!

Tipp: In dem Buch Was mein Leben reicher macht: Neue Glücksmomente aus dem Alltag von der ZEIT werden die schönsten und bewegendsten Leserbeiträge zu Themen wie Liebe, Freundschaft, Jahreszeiten, Anfänge und Abschiede zusammengetragen. Ein tolles Buch für alle, die die kleinen Glücks-Momente im Alltag zu schätzen wissen.

Step 6: Was hilft Ihnen dabei, sich wohlzufühlen?

Für viele kann die Antwort auf diese Frage lauten: mit einem guten Buch auf der Couch zu liegen oder mit Freunden gemeinsam essen zu gehen. Aber um sich wohlzufühlen, muss nicht immer ein bestimmter Zustand hervorgerufen werden. Vielmehr sollte man sich fragen, was einem hilft, um sich in Alltagssituationen wohlzufühlen. Je besser man sich kennt, desto mehr weiß man auch, was einem guttut und kann die Dinge ändern, die einen stören. Merkt man bei Freunden oder der Arbeit, dass man sich verstellen muss oder zu angestrengt ist, sollte man sich vielleicht fragen: „Was sollte ich ändern, um mich in dieser Situation besser zu fühlen?"

Tipp: Mehr dazu, wie wir unser eigenes Wohlgefühl steigern und lernen können, auf uns selbst anstatt auf andere zu schauen, können Sie in meinem Artikel 4 Tipps für mehr Zufriedenheit und weniger soziale Vergleiche nachlesen.

Step 7: Was würden Sie sich heute sagen, wenn Sie die Person wären, die Sie am meisten liebt?

Wie Sie merken, geht es bei uns vor allem darum, positiver auf uns, die Welt und die Zukunft zu blicken. Warum? Weil wir viel geübter darin sind, unsere Realität mit dem Blick auf den Mangel zu betrachten als auf das Gute. Besonders im Gespräch mit uns selbst kommt häufig unser innerer Kritiker zu Wort: „Man, hast du das wieder schlecht gemacht“ oder „Die anderen waren wieder deutlich besser“ sind typische Aussagen, die wir uns selbst an den Kopf werfen. Seien Sie sich heute daher selbst ein guter Freund, gehen Sie mit sich in einen positiven, wertschätzenden Dialog und reden Sie sich auch bei Herausforderungen gut zu, statt sich selbst fertig zu machen. 

Tipp: Mehr über das Thema Selbstliebe und wie man zu seinem Kern findet, erzählt unsere Gründerin Ragnhild Struss im Interview mit David Noël und Isabelle Sonnenfeld im Rolemodels Podcast

Step 8: Was bedeutet Erfolg für Sie?

Bin ich erfolgreich? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns erst eine andere Frage stellen: Was bedeutet Erfolg für mich? Erfolg muss nicht heißen, immer alles richtig zu machen, immer alle Erwartungen zu erfüllen. Erfolg kann sein, genau das erreicht zu haben, was Sie sich vorgenommen haben. Erfolg kann auch sein, Ihre eigenen Erwartungen übertroffen zu haben, sich in einer Situation mutig verhalten zu haben, in der Sie voller Zweifel und Ängste waren. Es gibt große und kleine Erfolge. Sie sind ganz individuell. Wichtig ist, dass Sie Ihre Ziele visualisieren und auch akzeptieren, dass der Weg dorthin nicht immer geradlinig sein muss. Er kann aus vielen kleinen Erfolgen bestehen, aber auch unerwartete Hürden beinhalten. Einfach weiter zu machen und mit unerwarteten Situationen umgehen zu können, kann schon Erfolg bedeuten. Fragen Sie sich, wann Sie zufrieden mit sich und auf welche Errungenschaften - egal wie klein oder groß sie sein mögen - Sie stolz sind. Dann nähern Sie sich auch der Antwort, was Erfolg für Sie bedeutet.

Tipp: In unserem Blog-Artikel Geld gleich Glück? Warum weniger oft mehr ist schreibt Ragnhild Struss über traditionelle Definitionen von Karriere und weshalb "höher, weiter, schneller" längst nicht für jeden der Arbeitsmodus der Wahl ist. 

Step 9: Wo finden Sie Glück?

Glück kann viele verschiedene Dinge bedeuten und unterschiedliche Facetten haben. Privates Glück mag zum Beispiel darin liegen, mit dem richtigen Partner an der Seite durchs Leben zu gehen. Berufliches Glück empfinden viele Menschen dann, wenn sie in ihrem Beruf gleichzeitig ihre Berufung gefunden haben und das tun, was Ihnen Freude bereitet. Auch geografisches Glück, wie etwa das Privileg, in einer sicheren und wohlhabenden Region der Welt leben zu dürfen, ist etwas, das wir uns in der heutigen Zeit immer wieder ins Gedächtnis rufen sollten. Nimm dir daher regelmäßig kurz Zeit – ob auf dem Weg zur Arbeit, in der U-Bahn, beim Spaziergang oder abends im Bett vor dem Einschlafen – und stellen Sie sich selbst die Frage, was Glück für Sie  bedeutet und wofür Sie dankbar sind.

Tipp: Das Buch Kleine Freuden – Großes Glück von der School of Life gibt wertvolle Anstöße dazu, wie wir lernen können, die kleinen Freuden des Alltags zu genießen.

Step 10: Wann waren Sie zuletzt stolz auf sich?

Dieses Gefühl, wenn jemand sagt „Ich bin stolz auf dich!“ – Großartig, oder? Stolz ist laut Wikipedia die „Freude, die der Gewissheit entspringt, etwas Besonderes, Anerkennenswertes oder Zukunftsträchtiges geleistet zu haben“. Es ist also im Grunde völlig unabhängig von den Worten oder Taten anderer: Sie haben es selbst in der Hand.
Gönnen Sie sich daher die Zeit, einmal in Ruhe darüber nachzudenken: "Auf welche meiner Taten oder auf welches Verhalten der letzte Tage kann ich stolz sein?" So machen Sie sich selbst ein größeres und nachhaltigeres Geschenk, als es die geliebten Komplimente von anderen überhaupt erreichen könnten – und das ganz aus eigener Kraft. 

Dieses Mal gibt es keinen Buch-, Podcast-, oder Ted Talk-, sondern einen Action-Tipp: Rufen Sie Ihre beste Freundin oder Ihren besten Freund, Ihre Schwester, Mutter, Ihren Cousin oder Onkel an und teilen Sie der Person Ihrer Wahl mit, warum Sie stolz auf sie sind. 

Step 11: Bei welchen Themen fragen Sie Freunde oft um Rat?

Durch den Inhalt der Fragen, mit denen Sie in Ihrem Freundeskreis um Rat gebeten werden, können Sie entschlüsseln, wo Ihre größten Stärken und Potenziale liegen. Kommen Freunde vor allem bei zwischenmenschlichen Problemen auf Sie zu, etwa wenn es um Beziehungsprobleme, Stress in der Familie oder ein Missverständnis mit der besten Freundin geht? Oder sind Sie der absolute Mathe-Checker, der in gemeinsamen Urlauben immer für die Buchführung zuständig ist? Und was ist dein persönliches Anliegen, wenn Sie ihre Freunde beraten: Möchten Sie Mitgefühl zeigen? Motivieren? Aufheitern? Kraft spenden? Beschützen? Ideen einwerfen? Sollten Sie Schwierigkeiten haben diese Frage zu beantworten, dann befragen Sie doch einfach mal Ihre Freunde, wann sie Sie als Telefon-Joker einsetzen würden.

Tipp: Wenn Sie mehr über Ihre Schokoladenseiten, Ihre Rolle im Team, Ihr Verhalten in Beziehungen und weiteren Bereichen Ihres Lebens herausfinden möchten, kann unser Schnuppertest Ihnen einige aufschlussreiche Erkenntnisse liefern. 

Step 12: Wer sind Sie, wenn Sie alleine sind?

Der Großteil unseres Tages ist meist verplant: Erst acht Stunden Schule oder Arbeit, dann vielleicht noch zum Sport oder mit Freunden treffen – zumindest aber per WhatsApp und Instagram auf dem Laufenden bleiben. Ständig unterwegs oder online zu sein, verleitet auch zum ständigen Vergleich mit unserem Umfeld: Bin ich genauso schön? Gehe ich auf die gleichen Partys? Habe ich genauso viel Spaß? Das alles lässt wenig Raum für Ruhe und die Konfrontation mit der eigenen Persönlichkeit. Wäre ich in einem anderen Umfeld genauso? Würde ich dieselben Klamotten tragen und den gleichen Hobbies nachgehen? Wenn Sie sich regelmäßig die Zeit nehmen, sich  diese Fragen zu stellen und sich zu überlegen, was Sie wirklich selbst wollen, wird Sie das ihrem authentischen Ich langfristig näherbringen.

Tipp: Neben einer regelmäßigen „Me Time“ zur Selbstreflexion kann auch das Buch ...und ständig tickt die Selbstwertbombe von Harlich H. Stavemann eine wertvolle Stütze sein, um Ihren Selbstwert zu stärken und unabhängiger von Ihrem äußeren Umfeld zu werden.

Step 13: Was sind Ihre Stärken?

Häufig neigen wir dazu, unsere eigenen Fähigkeiten und Talente zu unterschätzen. Vermeintliche Schwächen aufzuzählen, fällt uns leicht. Die Frage nach unseren Stärken hingegen lässt uns meist in peinlich berührtes Schweigen verfallen. Dabei hat die Art und Weise, wie wir selbst über uns denken und reden, einen großen Einfluss auf unsere Gefühlswelt und unseren Selbstwert. Deshalb ist es wichtig, dass Sie sich regelmäßig vor Augen führen, was Sie besonders gut können. Wer seine Stärken kennt und gezielt fördert, schafft damit fruchtbaren Boden für Erfolg.

Tipp: „Selberkenntnis ist ein permanenter Prozess!”, schreibt Kasia Mol-Wolf in ihrem Artikel „Wer werde ich sein” in der März-Ausgabe der EMOTION. Lesen Sie selbst, wie es ihr bei ihrem Selbstversuch in der Beratung bei Ragnhild Struss ergangen ist. 

Step 14: Was waren Ihre Highlights der letzten drei Monate?

In diesem letzten Schritt möchten wir Ihren positiven Blick auf die Welt und das Leben noch einmal schärfen. In unserem normalen Alltag jagt oft ein Event das nächste – umso wichtiger ist es, dass wir uns zwischendurch ein paar ruhige Minuten Zeit nehmen, um vergangene Geschehnisse Revue passieren zu lassen und eine kurze Bestandsaufnahme zu machen. Was waren Ihre Highlights der letzten drei Monate? Gehen Sie eine Weile in sich, um Ihre Gedanken zu sortieren und sie im Anschluss achtsam zu verschriftlichen. Wie Tony Robbins sagen würde: „The words we attach to our experience become our experience.”

Tipp: Erstellen Sie sich ein Vision Board, damit all Ihre Erkenntnisse der Selbstreflexion sich noch besser setzen und festigen können. Hierfür können Sie zum Beispiel die folgende Vorlage nutzen – viel Spaß dabei!