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Talk positive: Von der Relevanz des positiven inneren Dialoges

Junge Frau blickt liegend in die Kamera

Talk positive: Von der Relevanz des positiven inneren Dialoges

Team

„Energy flows where attention goes”, predigt der bekannte amerikanische Life Coach Tony Robbins. Er sagt, dass wir unsere Energie an die Ziele, Gedanken, Menschen oder Aufgaben senden, denen wir unsere Aufmerksamkeit schenken – und wohin unsere Energie fließt, dort bewegen, bewirken und verändern wir etwas. Im folgenden Artikel widmen wir uns der Frage, inwiefern wir unser Unbewusstes, unsere Gefühls- und Gedankenwelt sowie unser Handeln positiv beeinflussen können, indem wir bewusst auf unsere Sprache achten.

Sprache = Denken – stimmt das wirklich?

Die Fähigkeit zu sprechen erlernen wir in unseren ersten Lebensjahren. Irgendwann müssen wir uns nicht mehr darauf konzentrieren, unsere Zunge so zu bewegen, dass sie einen bestimmten Laut erzeugt. Der Ablauf verschiedener Laute kommt von ganz alleine, das Sprechen funktioniert automatisch. Unser Gehirn kann sich dann damit beschäftigen, zu denken und einfache Worte für komplexe Gedanken zu finden. Spätestens in zwischenmenschlichen Beziehungen bemerken wir zudem, dass nicht nur wichtig ist, was wir sagen, sondern auch wie. Doch dies gilt nicht nur in der Kommunikation mit anderen Menschen, sondern auch in Bezug auf uns selbst, im inneren Dialog.

Wissenschaftler*innen der Linguistik, Psychologie und Kognitionswissenschaft finden immer mehr Hinweise dafür, dass unsere Denkweise unsere Art zu sprechen prägt – und umgekehrt. In der Linguistik besagt die Sapir-Whorf-Hypothese, dass die semantische Struktur und der Wortschatz der Muttersprache beeinflusst, wie ein Mensch denkt. Die beiden Linguisten Edward Sapir (1884-1939) und Benjamin Lee Whorf (1897-1941) untersuchten in den 1930er Jahren die Grammatik eines Volkes und mutmaßten: Unterschiedliche Sprachen führen zu unterschiedlichen Denkweisen. Diese Idee fand zunächst großen Anklang, letztendlich fehlten jedoch empirische Belege. Jahrzehnte später finden Psycholog*innen und Hirnforscher*innen immer mehr Hinweise dafür, dass wir uns tatsächlich schon mit unserer Muttersprache bestimmte Denkmuster aneignen, die unser Leben beeinflussen. Die Sprache sei kein Gefängnis für das Denken, sagt etwa der israelische Linguist Guy Deutscher, allerdings trainiere sie die Aufmerksamkeit für gewisse Dinge und lenke das Denken in bestimmte Bahnen.

Der Framing Effekt: Sprache gibt Bedeutung und leitet unser Verhalten

„Language shapes our behavior and each word we use is imbued with multitudes of personal meaning. The right words spoken in the right way can bring us love, money and respect, while the wrong words – or even the right words spoken in the wrong way – can lead a country to war. We must carefully orchestrate our speech if we want to achieve our goals and bring our dreams to fruition.” (Dr. Andrew Newberg, Hirnforscher und Religionswissenschaftler)

Bestimmte Worte wecken Bilder, Erinnerungen oder Emotionen in uns. Dieser Prozess wird Framing genannt. Framing kann beispielsweise beeinflussen, mit welchen Eigenschaften wir Personengruppen verbinden oder auch mit welchen Emotionen wir bestimmte Ereignisse verknüpfen.

„The words we attach to our experience become our experience.” (Tony Robbins)

 

Wir können also unsere Gefühlswelt und unser Erleben mit jedem gedachten und gesprochenen Wort konditionieren. Je nachdem, wie wir Situationen beschreiben, ändert sich unser Blick darauf. Der US-amerikanische Psychologe und Autor Wayne Dyer sagte so schön:

„Verändere die Betrachtungsweise von Dingen und die Dinge, die du betrachtest, werden sich ändern.” (Wayne Dyer)

 

Was bedeutet das für uns?

Worte können also beeinflussen, wie wir denken und handeln, was wir wahrnehmen und woran wir uns erinnern, sie können trösten oder tief verletzen. Selbst unsere eigenen Worte wirken auf uns. Untersuchungen haben ergeben, dass bei uns selbst körperlich messbare Stresssymptome hervorgerufen werden, wenn wir etwa ein Tabuwort aussprechen.

Ähnliches passiert bei Aussagen wie „das kann ich nicht”, „das geht nicht” oder „das ist schwierig”. So oft reagieren wir auf Unbekanntes oder neue Vorschläge verbal mit Gegenwind. Gemeinsam mit dem großen „aber”, das jeden vorangegangenen Satz relativiert und positives Feedback umgehend mindert, zählen solche Aussagen zu den größten Verhinderern von Veränderung. Es sind dann nicht unsere fehlende Bereitschaft, etwas Neues zu beginnen, oder unsere mangelnde Fähigkeit, die uns davon abhalten, sondern lediglich unsere Formulierung.

Wie können wir das verändern?

  • Hören Sie sich selbst zu: Achten Sie auf den eigenen Sprachgebrauch und Ihre Wortwahl! Wie häufig nutzen Sie Negationen, also Verneinungen in Ihren Sätzen und unterstützen dadurch eine so genannte Von-Weg-Motivation? In solchen Fällen motivieren Sie sich dadurch, dass Sie etwas vermeiden, damit etwas Unangenehmes nicht eintritt. Beobachten Sie, ob und inwiefern Sie eher die negativen Aspekte Ihrer Leistung oder Ereignisse erwähnen. Kommunizieren Sie die Stimme des inneren Kritikers mithilfe von Sprache womöglich häufiger nach außen als die lobenswerten Aspekte?
  • Reframe it: Wenn Sie sich dabei erwischt haben, negative und bewertende Aussagen, gegen sich selbst wie beispielsweise „Ich kann das nicht” oder „Ich verstehe nichts” zu äußern, versuchen Sie, diese negativen Glaubenssätze neu zu formulieren. In der Psychologie nennen wir das Reframing. Mit Hilfe des Reframings gestalten Sie positivere Glaubenssätze, trainieren Ihr Gehirn und setzen somit auch die positiven Auswirkungen auf Ihr Unbewusstes in Gang. Anstatt „Ich kann das nicht” sagen Sie in Zukunft „Ich kann das noch nicht” oder „Bisher konnte ich das nicht”. Jedes „Aber” lässt sich auch durch ein „Und” ersetzen. Somit ermöglichen Sie sich, dass zwei Aussagen oder Emotionen nebeneinander existieren dürfen: „Ich finde den Studiengang Psychologie am spannendsten, und gleichzeitig habe ich Angst vor den Statistik-Klausuren, die in dem Fach auf mich zukommen werden.” Stünde anstatt des „und” ein „aber”, kommunizierten Sie an sich selbst, dass das mit dem Psychologiestudium bestimmt nichts werde, da man ja ein paar Statistik-Klausuren bestehen müsse. Die positive Wortwahl unterstützt eine lösungsorientierte Haltung, die gestaltend und nicht beschränkend wirkt. Dabei ist es übrigens auch hilfreich, Veränderungen in Form von Wünschen auszudrücken. Fragen Sie sich „Wovon wünsche ich mir mehr?” anstatt zu betonen, was Sie gerade stört.

Welche Sprache sprechen Sie im Inneren?

Allgemein bekannt ist, dass Kommunikation eine zentrale Rolle in zwischenmenschlichen Beziehungen spielt. Die Beziehung, die wir dabei allerdings häufig übersehen, ist die mit uns selbst. Die Sprache unseres inneren Kritikers ist maßgeblich dafür verantwortlich, wie wir uns fühlen und wie viel wir uns zutrauen. Um unseren Selbstwert zu steigern und uns der Welt gewappnet zu fühlen, kann es helfen, unseren inneren Dialog neu zu gestalten.

Wenn unangenehme Gefühle im Inneren aufkommen, neigen wir dazu, sie zu ignorieren oder uns davon abzulenken. Wir vernehmen also die negativen Zusprüche des inneren Kritikers und reagieren automatisch, indem wir uns von der jeweiligen Sache abwenden. Halten Sie hier kurz inne. Wenn im Inneren ein ungutes Gefühl aufkommt, notieren Sie Ihre Gedanken. Wer spricht da und was sagt Ihnen die Stimme?

Ein Plädoyer für positive Gedanken

Wissenschaftler*innen haben herausgefunden, dass es zehn positiver Erlebnisse bedarf, um ein negatives Erlebnis auszugleichen. Die als negativ erlebten Ereignisse bleiben uns viel eher im Gedächtnis als die positiven. Der Blick aufs Positive kann daher zu einer liebevollen Wahrnehmung von uns selbst und der Welt um uns herum führen. Wie gesagt: „Where attention goes energy flows!” Deshalb: Üben Sie den täglichen Blick auf das Positive, indem Sie ein abendliches Lobtagebuch führen. Notieren Sie drei positive Ereignisse des Tages und Ihre daran verknüpfte (positive!) Emotion. Erfahrungsgemäß dauert es etwa drei Monate, bis wir Menschen uns etwas an- oder abgewöhnen. Es lohnt sich daher, die Übungen drei bis sechs Monate regelmäßig zu praktizieren, um eine Änderung unseres Sprachstils und somit unserer Wahrnehmung, folglich unserer Emotionen und schlussendlich unserer Handlungen zum Positiven zu bewirken. 

Leseempfehlungen:

  • https://www.buecher.de/shop/buecher/die-macht-der-guten-gefuehle/fredrickson-barbara-l-/products_products/detail/prod_id/33380377/
  • https://www.buecher.de/shop/persoenlichkeit/das-kind-in-dir-muss-heimat-finden-arbeitsbuch/stahl-stefanie/products_products/detail/prod_id/46972823/
  • https://www.spektrum.de/news/wie-die-sprache-das-denken-formt/1145804
  • https://www.tonyrobbins.com/mind-meaning/change-your-words-change-your-life/
  • https://www.ted.com/talks/lera_boroditsky_how_language_shapes_the_way_we_think/transcript?language=de#t-833410

Quellen:

  • https://www.spektrum.de/news/wie-die-sprache-das-denken-formt/1145804
  • https://www.zeit.de/zeit-wissen/2012/06/Sprache-Worte-Wahrnehmung/komplettansicht
  • https://www.tonyrobbins.com/mind-meaning/change-your-words-change-your-life/
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Sapir-Whorf-Hypothese
  • https://www.ted.com/talks/lera_boroditsky_how_language_shapes_the_way_we_think/transcript?language=de#t-833410
  • https://www.ted.com/talks/uri_hasson_this_is_your_brain_on_communication#t-605931
  • https://www.ted.com/talks/mariano_sigman_your_words_may_predict_your_future_mental_health#t-714018
  • https://www.psychologytoday.com/intl/blog/renaissance-woman/201607/how-change-unhealthy-habits
  • https://www.swissinfo.ch/ger/schlechte-erinnerungen-bleiben-laenger-haften/7168386