#Persönlichkeitsentwicklung

Informed decisions: Tools für bewusstes Entscheiden

Informed decisions: Tools für bewusstes Entscheiden

Ragnhild Struss

Während wir kleine Alltagsentscheidungen intuitiv und ohne viel Nachdenken treffen, tun wir uns oft schwer, wenn weitreichende Konsequenzen von unserer Wahl abhängen. Ragnhild Struss zeigt, mit welchen Methoden wir auch schwierige Entscheidungen gut und sicher bewältigen.

Laut Studien trifft man etwa 20.000 Entscheidungen täglich – von der Wahl einer Marmeladensorte oder der Planung des Wochenendes bis hin zu größeren, folgenschwereren Entscheidungen in Beruf und Privatleben. Müssen wir über zu viele dieser Entscheidungen bewusst nachdenken, verbraucht das unsere geistigen Ressourcen bis hin zum Phänomen der „decision fatigue“, einer Art Entscheidungsmüdigkeit. 

Glücklicherweise treffen Menschen sehr oft die besten Entscheidungen „aus dem Bauch heraus“: Gerade in Bereichen, in denen wir über viele Erfahrungswerte verfügen, eine hohe Expertise haben oder die subjektiv geprägt sind, sollten wir also nicht zu lange nachdenken, sondern unserer Intuition vertrauen. Das gilt beispielsweise für Profisportler, die besser performen, wenn sie „im Augenblick“ reagieren, aber auch für viele andere Aktivitäten, die wir durch unzähliges Wiederholen automatisiert ausführen (zum Beispiel Autofahren) oder die etwa auf unserem persönlichen Geschmack basieren (zum Beispiel Wahl eines Gerichts im Restaurant). 

Wichtig ist abzuwägen, in welchen Fällen wir mit „energiesparenden“ Intuitiv-Entscheidungen gut fahren – und in welchen wir ausgiebig Fakten und Informationen prüfen sollten, bevor wir A oder B sagen. Ihre Erfahrung wird es Ihnen sagen: Beobachten Sie ein paar Tage lang Ihr Entscheidungsverhalten oder blicken Sie auf vergangene Entscheidungssituationen zurück. Welche Entscheidungen waren intuitiv genau die richtigen? Welche Beschlüsse haben Sie hingegen vorschnell getroffen – und dadurch vielleicht ein suboptimales Ergebnis erzielt? Im Nachhinein lassen sich Situationen klar erkennen, die von etwas Abwarten oder Nachdenken profitiert hätten und dann besser ausgegangen wären. 

Welchen Entscheidungen widmen Sie gemessen an ihrer Wichtigkeit hingegen zu viel Aufmerksamkeit und mentale Kapazität? Wer beispielsweise vor jedem Kauf eines Shampoos erst die Online-Rezensionen 20 verschiedener Produkte liest, sollte hinterfragen, ob der gewonnene Nutzen der (über-)informierten Entscheidung wirklich die Kosten (zum Beispiel die benötigte Zeit) rechtfertigt. 

Sinnvolle Tools für bewusste Entscheidungen

Ob Sie eher impulsiv entscheiden oder zum Zögern und Abwägen neigen: In einigen Situationen tut jeder gut daran, eine durchdachte und mit Informationen untermauerte Entscheidung zu treffen – beispielsweise wenn sich das Problem oder die zugrunde liegende Situation als komplex erweist, Expertenwissen erfordert, viel Geld auf dem Spiel steht oder eine „falsche“ Wahl auf andere Weise weitreichende Folgen nach sich ziehen könnte. Auch haben Studien gezeigt, dass wir bei der intuitiven Einschätzung mathematischer Berechnungen sehr oft danebenliegen. Sobald also Zahlenwerte für eine Entscheidung relevant sind, sollten wir uns unbedingt nicht nur auf den Bauch, sondern vor allem auf den Kopf verlassen und ihn zum Durchrechnen und Prüfen nutzen. Die folgenden Tools sind nützlich, wenn Sie größere Entscheidungen von allen Seiten beleuchten und eine bestmögliche, informierte Wahl treffen möchten.

Noch ein wichtiger Tipp vorab: Um gute Entscheidungen treffen zu können, sollten Sie immer erst einmal prüfen, ob Sie gerade überhaupt „entscheidungsfähig“ sind. Denn wir müssen mental, emotional und in Bezug auf unseren Energiehaushalt in der richtigen Verfassung dafür sein. Ist dies nicht gegeben, kann uns keine Methode der Welt zu brauchbaren Ergebnissen führen. Wenden Sie die folgenden Tools also an, wenn Sie ausreichend Zeit und Ruhe haben, ausgeruht sind und sich allgemein dafür bereit fühlen.

  • Gewichtete Pro- und Contra-Liste

Der Klassiker unter den Entscheidungstools wird aussagekräftiger, wenn wir die verschiedenen Argumente gewichten. Beginnen Sie zunächst auf altbekannte Weise: Schreiben Sie auf ein Blatt Papier eine „Pro“- und eine „Contra“-Spalte und halten Sie dort alle Argumente und Fakten fest, die für oder gegen eine bestimmte Entscheidung sprechen. Dabei können Sie eine Option bewerten, zum Beispiel „Soll ich den neuen Job annehmen?“. Auf der Pro-Seite könnte etwa stehen „Ich würde mehr verdienen.“ oder „Es ist eine spannende Herausforderung.“, auf der Contra-Seite beispielsweise „Ich müsste eine halbe Stunde länger zur Arbeit pendeln.“ oder „Ich würde mein altes Team vermissen.“. Sie können auch zwei Optionen, zwischen denen Sie sich entscheiden wollen, gegenüberstellen und für jede eine eigene Pro- und Contra-Liste schreiben, zum Beispiel die Möglichkeiten „Aufs Land ziehen“ versus „In der Stadt wohnen bleiben“. 

Klassischerweise würde man anschließend lediglich vergleichen, ob in der Pro- oder der Contra-Spalte mehr Argumente stehen. Das ist jedoch nicht unbedingt zielführend, da Ihnen einige der positiven und negativen Aspekte wahrscheinlich relativ egal sind, während andere Ihnen umso mehr am Herzen liegen. Versehen Sie also in einem zweiten Schritt jedes Argument mit einer Bewertung Ihrer subjektiv wahrgenommenen Wichtigkeit (von 1/unwichtig bis 10/extrem wichtig). Vielleicht stellt sich so zum Beispiel heraus, dass Ihnen eine Gehaltserhöhung nur mittelwichtig ist, während Sie vor allem nach Selbstverwirklichung suchen – oder umgekehrt. Wägen Sie am Ende deshalb nur die Argumente gegeneinander ab, die Sie mit 8, 9 oder 10 bewertet und Ihnen entsprechend den höchsten Stellenwert in Ihrem Leben eingeräumt haben. 

  • Das 10-10-10-Modell

Dieses Tool ist besonders hilfreich, um auch langfristige Konsequenzen einer Entscheidung in den Blick zu fassen. Stellen Sie sich dabei die Frage, wie Sie wohl in 10 Minuten, in 10 Monaten und in 10 Jahren zu einer getroffenen Entscheidung stehen werden. Halten Sie Ihre Einschätzung schriftlich fest und notieren Sie zusätzlich auch äußere Auswirkungen, die Ihre Entscheidung voraussichtlich nach sich ziehen würde. In einigen Situationen hilft Ihnen eher die kurzfristige Betrachtung (10 Minuten), beispielsweise wenn Sie antizipieren, dass Ihnen nach dem Essen einer ganzen Packung Eis übel sein könnte, oder wenn Sie sich gegen einen bissigen Kommentar gegenüber Ihrem Partner entscheiden, den Sie im Nachhinein bereuen würden. Bei anderen Themen ist die langfristige Perspektive hilfreich, etwa bei der Aufnahme eines Baukredits, den Sie in 10 Jahren noch abzahlen müssen, oder der Entscheidung, ob Sie Ihr Studium abbrechen möchten oder nicht. 

In Wirtschaft und Wissenschaft ist es gang und gäbe, mithilfe von Hochrechnungen und Simulationen die Kurz- und Langzeiteffekte verschiedener Entscheidungen (annäherungsweise) zu berechnen. Sie müssen für Ihren Alltag natürlich keine hochkomplexen statistischen Kalkulationen anstellen, sollten bei Ihnen bekannten Zahlenwerten aber doch prüfen, wie sich zum Beispiel Investitionen langfristig auswirken. Wie viel Geld werden Sie für die Bildung Ihres Kindes insgesamt aufbringen müssen, wenn Sie es auf eine Privatschule schicken? Wie viel Zeit investieren Sie pro Monat oder Jahr ins Pendeln? Wie viel wird Sie die Anschaffung eines Autos kosten, wenn Sie alle Aspekte wie Tanken, Wartung, Reparaturen, Steuer etc. miteinbeziehen?

  • Wertebasierter Entscheidungstrick bei gleichwertigen Optionen

Die Amerikanerin Ruth Chang weist darauf hin, dass einige Entscheidungen besonders schwer zu treffen sind, weil keine der Möglichkeiten eindeutig „besser“ ist. Gerade in komplexen Situationen spielen so viele Faktoren eine Rolle, dass uns deren Bewertung bzw. Gewichtung schwerfällt. Stellt sich beispielsweise jemand die Frage, ob er seine Beziehung beenden soll, weil sie nicht mehr so spannend ist wie am Anfang, gibt es zu viele verschiedene Aspekte: Könnte man die Partnerschaft vielleicht mit etwas Arbeit „wiederbeleben“? Welche schönen Facetten bietet sie noch? Welche neuen Möglichkeiten hätte man, wenn man sich trennt? Oftmals gibt es bei solchen Entscheidungen kein eindeutiges Richtig oder Falsch. Daher schlägt Ruth Chang einen Trick vor: Statt uns zu fragen, welche Wahl die bessere wäre, sollten wir uns fragen, welcher Mensch wir sein wollen. Diese Frage stößt uns nämlich auf unsere subjektiven Werte, Ideale und Visionen, die uns im Inneren antreiben – und die nur wir selbst einordnen können. Auf das Beispiel bezogen könnte man „Welcher Mensch will ich sein?“ also beantworten mit „Jemand, der frei ist, der Neues wagt, der sich nicht mit Halbgarem zufriedengibt“ und sich in Folge trennen. Oder man könnte entscheiden: „Ich will jemand sein, der loyal ist, auch vor Beziehungsarbeit nicht zurückscheut und um seine Partnerschaft kämpft.“ Auch bei anderen Themen ist die Frage hilfreich, zum Beispiel bei der Wahl zwischen einem Job mit vielen Überstunden oder Teilzeitarbeit („Will ich jemand sein, der alles für seinen Job tut oder dem ausreichend Freizeit wichtiger ist?“).

Und wenn Sie mit dieser Methode immer noch keine eindeutige Entscheidung finden? Dann können Sie die Vorstellung loslassen, es gäbe eine anhand objektiver äußerer Kriterien als „besser“ zu bewertende Entscheidung, der man nur durch gründliche Analyse auf die Spur kommen müsse. Manchmal ist die Faktenlage einfach ambivalent und wir werden weder im Außen noch in uns selbst eine eindeutige Antwort finden. Dann ist es wichtig, dass Sie in sich selbst genügend Sicherheit mobilisieren, um überhaupt eine Entscheidung zu treffen. Wir können eine Wahl nämlich auch dadurch zur „richtigen“ machen, indem wir uns währenddessen und im Nachhinein voll und ganz dahinter stellen und sie nicht immer wieder zweifelnd hinterfragen. Dafür sollten Sie unbedingt nach der Entscheidung alle anderen zur Debatte gestandenen Optionen loslassen, zumindest für einen fest definierten Zeitraum, in dem Sie sich zu Ihrem eingeschlagenen Weg komplett „committen“. Oft ist dieses beherzte Vorgehen in mehrdeutigen Situationen eine hervorragende Lösung – und allemal besser als gar nicht zu entscheiden und somit im Stillstand zu verharren.

  • Das Tetralemma

Dieses aus der systemischen Strukturaufstellung stammende Tool eignet sich gut, wenn man sich zwischen zwei Optionen entscheiden möchte – die möglicherweise aber auch beide wählbar sind oder zugunsten eines ganz anderen Weges verworfen werden können. Somit wird das klassische Dilemma (zwischen zwei Möglichkeiten) um eine dritte Option erweitert. Es dient dazu, Ihren Vorstellungshorizont um noch nicht in Betracht gezogene Handlungsmöglichkeiten zu erweitern. Das Tetralemma nach Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd können Sie folgendermaßen als Prozess anwenden: Nehmen Sie sich fünf Blatt Papier zur Hand und schreiben Sie zunächst auf eines Ihre Option A („Das eine“) und auf ein anderes Ihre Option B („Das andere“) auf. Auf den ersten Blick schließen sich vielleicht beide Alternativen gegenseitig aus, zum Beispiel „weiterhin angestellt arbeiten“ versus „mich selbstständig machen“. Notieren Sie auf jedem der beiden Blätter Pro- und Contra-Argumente, die für und gegen jede der Optionen sprechen.

Dann können Sie auf drei verschiedene Arten Ihren Spielraum um eine dritte Option erweitern: Schreiben Sie auf die restlichen Blätter „Beides“, „Keines von beidem“ und „Etwas ganz anderes“ und halten Sie dann für jede dieser Alternativen Argumente und Umsetzungsmöglichkeiten fest. In unserem Beispiel könnten Sie etwa für die Umsetzung beider Optionen erwägen, drei Tage die Woche fest angestellt zu arbeiten, während Sie sich an zwei Tagen einem eigenen Projekt widmen. Die Optionen „Keines von beidem“ und „Etwas ganz anderes“ würden Sie bei diesem Beispiel vermutlich kombinieren, da das Ausschließen beider Möglichkeiten zwangsläufig zu „etwas ganz anderem“ führen würde: etwa zu einer längeren Auszeit in Form eines Sabbaticals oder Elternzeit oder zu einem anderen Arbeitsverhältnis, etwa Verbeamtung oder mit einer Gruppe von Menschen ein Startup gründen. Das Tetralemma hilft so, frische Argumente und Perspektiven in Ihren Entscheidungsprozess mitaufzunehmen und eine für Sie passende Lösung aktiv zu gestalten.

Das eigene Entscheidungsmuster erkennen

Je nachdem, mit welchem Part von Entscheidungen Sie manchmal Probleme haben bzw. aus welchen Gründen Ihnen das Treffen von Entscheidungen zuweilen schwerfällt, wird sich ein bestimmtes Tool für Sie als besonders hilfreich erweisen. Denken Sie öfter zu kurzfristig, dann gewöhnen Sie sich an, auch langfristige Konsequenzen miteinzukalkulieren. Fühlen Sie sich erst sicher, wenn Sie alle Informationen haben, dann halten Sie schriftlich jegliches Argument fest – das bewahrt Sie auch vor Im-Kreis-Denken. Und fahren Sie sehr gut mit intuitiven Entscheidungen in den meisten Bereichen, dann zwingen Sie sich nicht auf, mit mehr Bedachtheit vorzugehen. Vertrauen Sie Ihrer inneren Stimme, die offenbar genau weiß, was gut für Sie ist! Weitere Informationen zum Thema Entscheidungen treffen und verschiedenen Entscheidungstypen finden Sie in diesem Artikel.

Fühlen Sie sich abschließend zu einem offenen, gelassenen und entwicklungsorientierten Umgang mit Entscheidungen ermutigt. Wenn Sie auf realistische Weise Worst-Case-Szenarien betrachten, geht es bei den allermeisten Entscheidungen nicht um Leben oder Tod – Sie werden mit allen möglichen Konsequenzen auf irgendeine Weise leben und bei Bedarf einen neuen Weg einschlagen können! Verinnerlichen Sie diese Einstellung, um Ihre Angst vor falschen Entscheidungen in Schach zu halten. Als Kinder lernen wir laufen, indem wir es versuchen, hinfallen – und dabei die Erfahrung sammeln, was funktioniert und was nicht. Ebenso verhält es sich mit allen weiteren Entwicklungen in unserem Leben, für die wir uns in jedem Fall für eine Option oder Handlung entscheiden müssen, um daran zu wachsen. Im Zweifel gehen wir „auf Los zurück“ oder machen es einfach beim nächsten Mal anders – und haben so aus einer vermeintlich schlechten Entscheidung eine wichtige Lektion gelernt.

 

Die wichtigste Grundlage für beruflichen Erfolg und persönliche Zufriedenheit bildet eine Lebensführung in Übereinstimmung mit Ihrer Persönlichkeit. Sie zu kennen, ist der erste Schritt. Mit unserem kostenfreien Schnuppertest bieten wir Ihnen die Möglichkeit, ihn zu gehen und einen ersten Einblick in Ihr Inneres zu erhalten.

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