#Nach dem Abi

Was ist mein Ding, wenn ich kein Ding habe?

Mädchen schaukelt am Meer

Was ist mein Ding, wenn ich kein Ding habe?

Louise von Daniels

Jeder kennt sie: die Freunde und Mitschüler, die schon immer wussten, was sie einmal machen wollen. Menschen heilen, Kinder unterrichten, Spiele programmieren. Klare Wünsche, klare Vorstellungen. Und dann gibt es diejenigen, die wissen, dass sie glücklich werden wollen – nur noch nicht genau, womit. Im Vergleich mit ihrem Umfeld überkommt diese Gruppe junger Erwachsener oft das Gefühl, als würde ihnen etwas fehlen: die eine große Leidenschaft. Das eine besondere Thema, für das sie brennen. Oder sie interessieren sich für so viele verschiedene Dinge, dass sie sich nicht festlegen können. Eine Entscheidung zu treffen, die sich auf das gesamte restliche Leben auswirkt, scheint bei der Vielzahl an Möglichkeiten für sie kaum machbar und einengend. Kommt Ihnen dieses Gefühl bekannt vor? Dieser Blog-Beitrag unterstützt Sie dabei, herauszufinden, was „Ihr Ding“ wirklich ist.

Viele junge Erwachsene wenden sich zunächst an ihr Umfeld, wenn es darum geht, eine Entscheidung für ein Studium oder eine Ausbildung zu treffen. Sie lassen sich davon inspirieren, welche Wege Freunde oder Familienmitglieder eingeschlagen haben und wägen ab, was davon auch zu ihnen passen könnte. Ratsamer ist es jedoch, den Prozess umzukehren und stattdessen bei sich selbst zu beginnen:

1. Was machen Sie gerne und was liegt Ihnen besonders gut?

Ich empfehle Ihnen, sich als erstes mit Zettel und Stift zu bewaffnen und sich Gedanken zu den folgenden Fragen zu machen: Wofür können Sie sich begeistern? Was fällt Ihnen leicht? Worin sind Sie besser als andere? Wann sind Sie glücklich? Und welche Umstände begleiten diese Gefühle? Sind es Menschen oder Tiere? Ist es ein bestimmtes Umfeld? Sind es Tätigkeiten oder Leistungen für andere? Sie werden schnell merken, dass der Prozess des schriftlichen Festhaltens Ihrer Gedanken eine Menge in Bewegung setzt. Nehmen Sie sich daher ausreichend Zeit für die einzelnen Fragen, legen Sie Pausen ein und kehren Sie immer wieder zu Ihren Notizen zurück, damit Ihre Gedanken sich setzen und Sie gegebenenfalls Punkte ergänzen können.

2. Was ist nicht ihr Ding?

Wenn es Ihnen schwerfällt, Situationen oder Tätigkeiten aufzuschreiben, die Sie glücklich machen, schreiben Sie zunächst auf, was definitiv nicht Ihr Ding ist. Wenn Sie beispielsweise wissen, dass Sie ungern Menschen berühren und anfassen möchten, sind Berufe wie Physiotherapie oder Humanmedizin vermutlich nicht das Richtige für Sie. Wenn Sie kein gutes Händchen für Zahlen haben und sich ungern mit detaillierten Daten und Fakten befassen, kommen Tätigkeitsbereiche wie Controlling, Rechnungs- oder Steuerwesen eher nicht in die engere Auswahl. Tun Sie sich hingegen mit kreativen Aufgaben schwer, lenkt Sie das wahrscheinlich weg von Branchen wie Werbung oder Design, in denen Ideenstärke gefragt ist.

3. Wie sieht Ihre Vision eines guten Lebens aus?

Im nächsten Schritt geht es darum, sich über Ihre eigenen Erwartungen bewusst zu werden. Welche Vision haben Sie für Ihr Leben? Wo sehen Sie sich mit 30, 35, 40 Jahren? Versprechen Sie sich eine steile Karriere? Geht es Ihnen vor allem darum, viel Geld zu verdienen? Möchten Sie in der Gesellschaft etwas bewegen? Oder ist es Ihnen am wichtigsten, eine abwechslungsreiche Tätigkeit auszuüben und Spaß zu haben? Auch zu diesen Fragen sollten Sie Ihre Gedanken schriftlich notieren. „Ihr Ding“ zu finden bedeutet schließlich auch, einen Weg einzuschlagen, der das Potenzial hat, Ihre Erwartungen an Ihr zukünftiges Leben zu erfüllen.

4. Wie sieht „Ihr Ding“ in der Praxis aus?

Neben dem Aufschreiben und dem intensiven Nachdenken ist auch das Sammeln eigener Erfahrungen ein wesentlicher Bestandteil bei der Suche nach „Ihrem Ding“ im Leben. Denn in der Theorie kann vieles ansprechend klingen – ob es in der Umsetzung dann genauso spannend ist, finden Sie nur heraus, indem Sie Praxisluft schnuppern und einen Realitätscheck vornehmen. Nehmen Sie beispielsweise Informationstage an Universitäten und Hochschulen wahr. Dort können Sie auch das direkte Gespräch mit Studenten suchen und sie nach ihren bisherigen Erfahrungen, den Herausforderungen und Chancen ihres Studiums befragen. Absolvieren Sie außerdem mehrere Praktika – zum Beispiel im Rahmen eines Gap Years – oder nehmen Sie neben dem Studium einen Job als Werkstudent an. Auch die Resultate dieser praktischen Erfahrungen sollten Sie sorgfältig in Ihrem Notizbuch festhalten.

 

Wenn Sie all Ihre Notizen zu diesen vier Punkten in Ruhe durchgehen und analysieren, kommen Sie der Frage, was Ihr Ding ist, sicher schon sehr viel näher – und mit welchem Studium, welcher Ausbildung, beziehungsweise welchem Beruf Sie glücklich werden können. Vielleicht ist es am Ende aber auch Ihr Ding, kein Ding zu haben. So geht es vielen Menschen:

Es braucht nicht immer die eine große Leidenschaft, die zum Beruf gemacht werden muss, um Erfüllung und Zufriedenheit zu finden.

Stattdessen können Sie Ihre Freude, Kraft und Inspiration zum Beispiel auch daraus ziehen, sich breit aufzustellen, im Zuge Ihrer beruflichen Laufbahn häufiger den Job zu wechseln und viele unterschiedliche Dinge auszuprobieren. Oder Sie leben Ihre Leidenschaft neben dem Job aus und finden Ihre Erfüllung durch die Kombination aus Hobby und Beruf. Versuchen Sie also, sich von den Erwartungen zu lösen, die nur aus dem Vergleich mit Ihrem Umfeld resultieren, und richten Sie Ihren Blick stattdessen auf Ihren eigenen, inneren Kompass. Denn das ist die wichtigste Voraussetzung für berufliches und privates Glück!