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Berufsbegleitender Master – yay or nay?

Berufsbegleitender Master – yay or nay?

Pia Lenk

Unnötige Doppelbelastung oder aussichtsreiche Entwicklungschance? Unsere Mitarbeiterin Pia Lenk berichtet von ihren eigenen Erfahrungen mit dem berufsbegleitenden Master-Studium und erläutert Vor- und Nachteile.

Ich habe dieses Jahr wieder angefangen zu studieren. Nach knapp vier Jahren im Berufsleben geht es für mich zurück an die Uni. Das war eine große Entscheidung und ein Commitment für zwei sehr intensive Jahre. Ich werde weiter in Vollzeit arbeiten und an einzelnen Wochenenden in die Uni gehen. Zusätzlich kommt ein intensives Selbststudium auf mich zu und am Ende eine umfassende Masterarbeit. 

Ich hatte nach meinem Bachelor das dringende Bedürfnis zu arbeiten und Geld zu verdienen, das, was ich gelernt hatte, anzuwenden und mich auszuprobieren. Außerdem hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch kein Masterprogramm gefunden, für das ich mich so begeistern konnte, dass ich bereit gewesen wäre weiter zu studieren. 

Hier bei Struss & Claussen werden wir sehr umfassend ausgebildet, wir lernen verschiedenste Persönlichkeitstests anzuwenden und zu interpretieren, und wir setzen uns intensiv mit der menschlichen Psyche auseinander. Aber der anspruchsvollste Teil liegt in der Selbsterkenntnis. Wir sind täglich gefordert, uns und unser Verhalten zu betrachten. Zu verstehen, warum wir wie fühlen oder denken und wie wir Dinge vielleicht anders in Worte fassen oder anders verarbeiten können. 

Und dennoch gibt es noch so unendlich viel zu lernen. Jetzt haben meine Chefs mir diesen Weg eines berufsbegleitenden Masters ermöglicht. Was für ein Geschenk. Ich genieße das Lernen, den Austausch und die neuen Perspektiven, die ich nun auch auf meine Arbeit übertragen kann. 

Ich teile mit Ihnen hier einige der Vor- und Nachteile eines berufsbegleitenden Masters. Ist es für jedermann*frau der richtige Weg? 

1. Es wird nie wieder so einfach sein, einen Master zu machen, wie im direkten Anschluss an den Bachelor

Sind Sie erst einmal im Berufsleben angekommen, ein gewisses Einkommen gewohnt und stehen vollständig auf eigenen Beinen, ist der Weg zurück in ein Vollzeitstudium unendlich schwer. Daher entscheiden sich viele Menschen für ein berufsbegleitendes Studium. Unter anderem kann damit eine gewisse Flexibilität aufrechterhalten werden bei gleichem Einkommen. Vielleicht haben Sie Familie und Kinder und müssen sich Ihre Ressourcen wohlüberlegt einteilen. Aber eines steht fest: Günstig ist studieren neben dem Beruf nicht. Da die Universitäten Ihre Dozenten am Wochenende bezahlen müssen, fallen höhere Kosten an. So ist ein berufsbegleitendes Studium immer deutlich teurer als ein klassisches. Zahlt Ihr Arbeitgeber dieses Studium nicht, kann es ziemlich herausfordernd sein, das dafür benötigte Geld überhaupt zusammenzubekommen. 

2. Das Leben ist Lernen, wieso also nicht an der Uni?

Im Berufsleben angekommen, hört das Lernen nicht auf. Mit jeder neuen Position kommen neue Inhalte auf Sie zu, neue Perspektiven und neue Herausforderungen. Sich Wissen anzueignen wird stetig schwerer, weil es eben keine Dozenten mehr gibt, die komplexe Zusammenhänge für Sie herunterbrechen, aktuellste Erkenntnisse mit Ihnen teilen oder Ihnen noch einmal alles zusammenfassen. Private wie staatliche Universitäten haben es sich also zur Aufgabe gemacht, anwendungsnahe Masterstudiengänge zu konzipieren, die Sie da abholen, wo Sie gerade im Berufsleben stehen. Hier gehört eine gewisse Berufserfahrung zu den Aufnahmebedingungen. Sie profitieren übrigens nicht nur von dem Wissen der Dozenten, sondern auch von dem Austausch mit anderen Studierenden.

3. Ohne Disziplin geht gar nichts

Arbeiten und Studieren, womöglich noch ein Ehrenamt, Familie und Freunde unter einen Hut zu bekommen, funktioniert nur mit einem hohen Maß an Disziplin und Struktur. Ich rate jedem von einem berufsbegleitenden Master ab, der schon ohne zusätzliches Studium an Selbstorganisation scheitert. Ein solches Studium bedeutet nämlich, nach einem 10-Stunden-Arbeitstag nach Hause zu kommen und nicht vor dem Fernseher in einen entspannten Abend zu starten, sondern zu den Uniunterlagen und einer Tüte Chips zu greifen, weil auch keine Zeit zum Kochen bleibt. Darauf müssen Sie sich einstellen! Urlaubstage müssen rechtzeitig geplant werden, damit Sie entsprechend an den Vorlesungen teilnehmen können. Tipp: Sie haben den gesetzlichen Anspruch, bei Ihrem Arbeitgeber Bildungsurlaub beantragen zu können. Dazu gibt es in jedem Bundesland andere Regelungen. Es lohnt sich, sich über die individuellen Möglichkeiten zu informieren. 

4. Praktisch lernen

Die meisten berufsbegleitenden Masterstudiengänge haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Studierenden auf sehr anwendungsorientierte Weise an die “neuen” Inhalte heranzuführen. Gerade Masterstudiengänge, die Berufserfahrung voraussetzen, beziehen die berufliche Realität immer wieder in das Studium ein. So lernen Sie in Kleingruppen mit und von Menschen, die schon sehr viel in ihrem Leben erfahren haben und auch gleichzeitig von Ihnen lernen können. Die Anwendungsorientierung bringt es mit sich, dass Sie im besten Fall viele Inhalte des Studiums auf direktem Wege in Ihre Arbeit einfließen lassen können. Es fühlt sich also nicht unbedingt nach einem Bücherstudium an, sondern Inhalte können im “Learning by Doing” einfach ausprobiert werden.

5. Der Verzicht

Je nach Regelung mit Ihrem Arbeitgeber wird es sicherlich auch zu Einschränkungen in Ihren Urlaubstagen kommen. Denn auch wenn Sie Ihren Bildungsurlaub in Anspruch nehmen, können damit meist nicht alle Anwesenheitstage des Studiums abgedeckt werden. Und so wird über die Dauer Ihres Masterstudiums weniger „echter“ Urlaub möglich, sondern mehr Lernen notwendig sein. Auch wenn Sie anwendungsorientiert lernen dürfen, wird es zusätzlich zu den Präsenztagen Prüfungsleistungen und Leseaufträge geben. Das kann mal mehr, mal weniger Zeit in Anspruch nehmen, aber es wird definitiv in Ihre “Freizeit” fallen. Seien Sie sich bewusst, dass ein berufsbegleitender Master nicht verschenkt wird, auch wenn Sie noch so viel wissen. Fleiß gehört in jedem Fall dazu, und der braucht seine Zeit. 

Fazit

Ich bin unendlich dankbar für diese Möglichkeit mich weiterzubilden. Die Wahl meines berufsbegleitenden Masters habe ich auf Basis meiner Tätigkeit bei Struss & Claussen getroffen und bin sehr zufrieden mit dieser Entscheidung. Das Studium ist absolut hochwertig und anspruchsvoll, trotzdem angepasst an die Möglichkeiten voll berufstätiger Studierender. Ich kann die Inhalte auf meine Arbeit übertragen und mich in meiner Rolle als Beraterin weiterentwickeln. 

Sollten Sie ein Masterprogramm gefunden haben, das Sie begeistert, Ihnen eine Möglichkeit der persönlichen und intellektuellen Weiterentwicklung bietet und zusätzlich gut in Ihren Alltag integrierbar ist, bin ich davon überzeugt, dass Sie daraus profitieren werden. Lassen Sie Ihre Begeisterung für die Inhalte an erster Stelle darüber entscheiden.